Meldesystem für Nebenwirkungen durch Medikationsfehler etabliert

(20.01.16) Im Rahmen des Projekts zur Erfassung und Bewertung von Medikationsfehlern können Ärzte jetzt systematisch ihre Fälle melden. Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AKdÄ) hat dafür einen Berichtsbogen auf ihrer Homepage zur Verfügung gestellt. Das Formular dient der Erfassung von Medikationsfehlern, die bei Patienten zu Nebenwirkungen oder schwerwiegenden Schäden geführt haben. Anhand der Analyse will die AkdÄ mittelfristig Strategien zur Vermeidung von Medikationsfehlern entwickeln.

Das Projekt ist im Februar 2015 mit Fördermitteln des Bundesgesundheitsminsteriums gestartet und soll zur Arzneimittelsicherheit in Deutschland beitragen. Zwar existiert bei der AkdÄ seit langem ein Meldesystem für "unerwünschte Arzneimittel-Nebenwirkungen" (UAW), in dessen Rahmen Ärzte eben solche Ereignisse mitteilen. Erst mit der Änderung der Pharmakovigilanz-Richtlinie (2010/84/EU) gewann aber auch die fehlerhafte Anwendung von Medikamenten an Interesse: Wurden bis dato nur Nebenwirkungen bei bestimmungsmäßigem Gebrauch dokumentiert, sollen nun auch Nebenwirkungen im Zusammenhang mit Medikationsfehlern betrachtet werden. Die Initiatoren des Projekts wollen herausfinden, ob eine systematische Erfassung von Medikationsfehler-bedingten UAW innerhalb der bestehenden Strukturen machbar ist, und ob aus einer Analyse der Fälle verwertbare Aussagen zu Risikofaktoren und möglichen Interventionsstrategien abgeleitet werden können. 

Medikationsfehler – die unbekannte Variable im System

Die Meldungen werden im Rahmen der etablierten Strukturen der AkdÄ bewertet und analysiert. Ausgewählte Fälle diskutiert der sogenannte UAW-Ausschuss, um die Ärzte anschließend durch Bekanntgaben im Deutschen Ärzteblatt zu informieren. Zudem werden die Fallberichte mit den für die Arzneimittelsicherheit zuständigen Behörden ausgetauscht und in gemeinsamen Sitzungen besprochen.

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) steht jede zehnte Krankenhausaufnahme im Zusammenhang mit unerwünschten Folgen der Einnahme von Medikamenten. Parallel zum Projekt der AkdÄ hat deshalb das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ein Forschungsprojekt zur Erfassung von Medikationsfehlern in drei deutschen Krankenhausnotaufnahmen gestartet, um Erkenntnisse zur Häufigkeit von Medikationsfehlern zu gewinnen. Beide Projekte sind Bestandteil des "Aktionsplans zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit in Deutschland".