Modellvertrag zu ausgewählten invasiven kardiologischen Leistungen im Freistaat Sachsen

In den Jahren 2003 bis 2008 hat die AOK PLUS (ehemals AOK Sachsen) in der Region Dresden ein Modellvorhaben nach den §§ 63 ff. SGB V im Bereich der invasiven Kardiologie durchgeführt.

Ziel des Modellvorhabens war es insbesondere, die Möglichkeiten einer künftig deutlich stärkeren ambulanten Leistungserbringung für invasivkardiologische Leistungen zu analysieren und zu bewerten, welches Potenzial die ambulante Versorgung in diesem Leistungssegment künftig besitzt.
Zur Beantwortung dieser Kernfrage wurden Verträge mit je einem Leistungserbringer aus beiden Versorgungssektoren (ambulant/stationär) geschlossen, konkret mit:

  • dem Herzzentrum Dresden GmbH (Universitätsklinik) und
  • der Praxisklinik Kardiologie/Angiologie/Radiologie Dresden

Für das Projekt wurden mit beiden ausgewählten Leistungserbringern entsprechende Invasivleistungen (LHK, PCI, EPU, Schrittmacher- und ICD-Implantation/-wechsel) vereinbart, die mittels konkreter medizinischer Dokumentationen (Standard BQS sowie weiterführende ergänzende Daten) patientenkonkret direkt von den Leistungserbringern elektronisch dokumentiert und an einen unabhängigen Evaluator weitergeleitet wurden. Im Verlauf des Projektes entstand so je Patient ein komplettes Behandlungsprofil, welches folgende Daten enthält:

  • allgemeine Patientendaten (Alter, Geschlecht, BMI),
  • medizinische Daten des initialen Eingriffs (z. B. Kreatininwert, Dialysepflicht, Ejektionsfraktion, NYHA-Stadium usw.),
  • medizinisches Outcome-Kriterium der Mortalität sowie weitere sog. Sekundärdaten (Gesamtkosten, Folgekosten gesamt, für einzelne Leistungssegmente usw.) über einen Zeitraum von weiteren 17 Monaten.

Diese Behandlungsprofile liegen für insgesamt 5.369 Patienten vor und sind durch diese große Menge an kompletten Datensätzen gut belastbar.
Als Evaluator für die abschließende Datenauswertung wurde das AQUA – Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen GmbH, Göttingen vertraglich gebunden. Dieses hat auf der Basis der von beiden Leistungserbringern erhobenen Daten und den von der AOK PLUS zusätzlich zur Verfügung gestellten Sekundärdaten entsprechende risikoadjustierte Analysen zu Mortalität und Kosten in beiden Einrichtungen durchgeführt. Sowohl lineare und logistische Regressionsmodelle als auch ein Propensity-Score-Modell wurden genutzt, um entsprechend valide belegbare Schlüsse ziehen zu können.

Im beigefügten Ergebnisbericht sind die aus Sicht der AOK PLUS belastbaren Auswertungen enthalten.

Evaluation des Modellvertrages zur invasiven Kardiologie der AOK PLUS
Abschlussbericht des AQUA – Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen GmbH, 19.12.12

Für die AOK PLUS zeigen die Ergebnisse des Modellvorhabens klar auf, dass das in 2003 anvisierte Hauptziel des Modellvorhabens erreicht wurde. Es kann als erwiesen angesehen werden, dass eine ambulante Leistungserbringung hochwertiger invasivkardiologischer Leistungen nicht zu einer verminderten Qualität oder höheren Kosten – im Eingriffszeitpunkt oder in der Behandlungsfolge – führen muss. Im Gegenteil hat das Konzept der Praxisklinik, also die Konzentration der Leistungserbringung in entsprechend hochprofessionellen Strukturen, nachweisen können, dass damit eine mindestens gleichwertige Qualität in der Leistungserbringung und bei der Wirtschaftlichkeit der Versorgung erreicht werden kann.

Die AOK PLUS sieht die dokumentierten Ergebnisse des Modellvorhabens als eindeutigen Beleg dafür, dass stärker ambulant ausgerichtete Prozessstrukturen im invasivkardiologischen Leistungsbereich eine echte Alternative zur bisherigen stationären Versorgung darstellen. Dies gilt in jedem Fall dann, wenn damit gleichzeitig entsprechende professionelle Strukturen entsprechend dem Stand der modernen Medizin beim einzelnen Leistungserbringer verbunden sind und die Leistungen in entsprechenden Zentren erbracht werden.

Und dieses Ergebnis kann die tradierte Leistungserbringung für die benannten Leistungen bundesweit nachhaltig verändern. Die Diskussion zur Gestaltung einer optimalen invasivkardiologischen Versorgungsstruktur ist damit eröffnet.

Die folgend beigefügten Diskussionspapiere und Erwiderungen zur Methodik des Vorgehens zeigen deutlich, dass die Ergebnisse der Evaluation durchaus nicht unumstritten sind. Die Diskussion hierzu soll mit der Veröffentlichung dieser Einschätzungen eröffnet werden. Dass beide Leistungserbringer eine hohe Leistungsqualität erbringen, steht für die AOK PLUS außer Frage und außerhalb dieser methodischen Diskussion.

(gez. Rainer Striebel, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der AOK PLUS
Dresden am 22. März 2013)

Diskussionspapiere und Erwiderungen

Gutachten von Herrn Univ.-Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Joachim Kugler
Gutachten zur "Evaluation des Modellvertrages zur invasiven Kardiologie der AOK PLUS" durchgeführt vom AQUA – Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen GmbH

Stellungnahme des AQUA-Instituts zum Gutachten von Herrn Univ.-Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Joachim Kugler

Gutachterliche Stellungnahme Prof. Dr. Bernd Brüggenjürgen
Gutachterliche Stellungnahme zum Abschlussbericht des Vergleichs des Versorgungsergebnisses des Herzzentrums Dresden mit dem der Praxisklinik Dresden

Stellungnahme des AQUA-Instituts zur gutachterlichen Stellungnahme von Prof. Dr. Bernd Brüggenjürgen