Personalvorgaben für Frühchen-Stationen

(29.12.16) Ab dem 1. Januar 2017 gelten auf Frühchen-Stationen neue Regeln für die Personalausstattung. So muss auf der neonatologischen Intensivstation eines Perinatalzentrums mindestens eine Kinderkrankenpflegerin oder ein -krankenpfleger je intensivtherapiepflichtigem Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht von unter 1.500 Gramm verfügbar sein. Bei der Intensivüberwachung gilt ein Personalschlüssel von eins zu zwei. Außerdem müssen 40 beziehungsweise 30 Prozent der Mitarbeiter des Pflegedienstes eine Fachweiterbildung im Bereich "Pädiatrische Intensivpflege" abgeschlossen haben.

Die Zentren können jedoch bis zum 31. Dezember 2019 von der Regelung abweichen. Sie müssen sich in diesem Fall bereit erklären, eine Zielvereinbarung zur Erfüllung der Anforderungen auf Landesebene abzuschließen. Die Kliniken sollen darin festlegen, welche Schritte und Maßnahmen sie ergreifen wollen, um die Personalvorgaben für Perinatalzentren zu erfüllen. Als Nachweis für die Erfüllung des Personalschlüssels gilt eine dokumentierte Quote von mindestens 95 Prozent aller Schichten des vergangenen Kalenderjahres. Der GBA wird bis zum 31. Mai 2017 ein Musterformular für den Nachweis erstellen. 

Jährliche Strukturabfrage geplant

Zusätzlich wird der GBA eine jährliche Strukturabfrage bei allen Perinatalzentren durchführen, um Erkenntnisse darüber zu gewinnen, inwieweit die Zentren die Personalvorgaben erfüllen. Weichen sie von den gesetzlichen Schlüsseln ab, müssen sie sämtliche Ereignisse, die dazu geführt haben, unter Angabe der jeweiligen Gründe und der Dauer der Abweichung dokumentieren und dem GBA übermitteln. Auf Basis dieser Daten will der GBA seine Vorgaben überprüfen und gegebenenfalls anpassen. Das Verfahren zur Strukturabfrage wird der GBA bis zum 31. Juli 2017 beschließen.

Beim Nachweis der personellen Qualifikationen bleibt die Anrechnung von Berufserfahrung erlaubt. Pflegekräfte, die spätestens zum 1. Januar 2017 eine ausreichende Berufserfahrung nachgewiesen haben, können auf die für neonatologische Intensivstationen geforderte Fachweiterbildungsquote von mindestens 40 Prozent (in Level 1-Zentren) beziehungsweise 30 Prozent (in Level 2-Zentren) angerechnet werden. Voraussetzung für diese letztmalige dauerhafte Anerkennung ist, dass die Pflegekraft mindestens fünf Jahre in Vollzeit auf einer neonatologischen Intensivstation tätig war, mindestens drei Jahre davon im Zeitraum zwischen 1. Januar 2010 und 1. Januar 2017.

Verbindliche Personalvorgaben abermals verschoben

Mit der  Verlängerung der Übergangsfristen verschiebt sich die Einführung verbindlicher Personalvorgaben für die intensivmedizinische Versorgung von Frühchen abermals um drei Jahre. Die Änderung der Richtlinie mit Mindestanforderungen an die Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität für vier Versorgungsstufen war bereits 2013 vom GBA beschlossen worden. Zuvor hatte das Gremium vier Jahre lang Anfragen und Stellungnahmen zum Thema ausgewertet. Die Richtlinie verpflichtete die Krankenhäuser auch zur Erfüllung spezifischer Qualitätskriterien an die jeweilige Versorgungsstufe, um die Leistungen erbringen zu dürfen.

Mit der Richtlinie hatte der GBA zudem eine Regelung beschlossen, die - mit Übergangsfrist bis zum 31. Dezember 2016 - die ständige Verfügbarkeit mindestens einer Gesundheits- und Kinderkrankenpflegekraft je intensivtherapiepflichtigen Frühgeborenen erfordert. Darüber hinaus wurde vereinbart, dass spätestens zum 1. Januar 2017 rund um die Uhr mindestens eine Gesundheits- und Kinderkrankenpflegekraft je zwei intensivüberwachungspflichtigen Frühgeborenen verfügbar sein müssen.

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