Abrechnungstipps Ihrer AOK Niedersachsen

basierend auf der aktuell gültigen Heilmittelrichtlinie sowie dem BSG-Urteil zur Prüfpflicht von Therapeuten, verkündet am 27. Oktober 2009, AZ: B 1 KR 4/09 R

Tipp 1: Verordnungsmenge "Erstverordnung"

Für die Indikationen WS1, EX1, AT1 und SB4 sind im Heilmittelkatalog Höchstverordnungsmengen von maximal 6 Einheiten im Regelfall vorgesehen. Sollte der Arzt auf einer Verordnung mehr als die möglichen Einheiten ausstellen, können dennoch lediglich 6 Einheiten durchgeführt und abgerechnet werden. Darüber hinaus abgerechnete Einheiten können nicht vergütet werden.

Für den Indikationsschlüssel ST3 gilt diese Vorgehensweise analog, jedoch für eine maximale Verordnungsmenge von 5 Einheiten.

Bei diesen Indikationsschlüsseln handelt es sich um Erkrankungen mit kurzzeitigem Behandlungsbedarf. Sollte sich herausstellen, dass die vorgesehen Anzahl an Einheiten für den Behandlungserfolg nicht ausreicht, so ist bei einer Anschlussverordnung der Indikationsschlüssel zu wechseln, da bei o.a. Indikationen keine Folgeverordnungen möglich sind.

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Tipp 2: Verordnungsmenge "Folgeverordnung"

Grundsätzlich ist auch bei möglichen Folgeverordnungen die Verordnungsmenge durch den Heilmittelkatalog auf sechs Einheiten begrenzt. Eine Ausnahme davon bilden die folgenden Indikationsschlüssel:

EX4, ZN1, ZN2, PN, AT3 und LY3

Bei diesen Indikationsschlüsseln können pro Verordnung maximal 10 Einheiten verordnet werden.

Verordnungsmengen je Folgeverordnung, die über die im Heilmittelkatalog genannten Höchstmengen hinaus gehen, können nicht vergütet werden.

Lediglich bei Verordnungen außerhalb des Regelfalles ist es möglich, die Verordnungsmenge größer als die oben genannten Höchstmengen zu wählen. Dabei muss die Verordnungsmenge so gewählt werden, dass die Verordnung innerhalb eines Zeitraums von 12 Wochen abtherapiert werden kann.

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Tipp 3: Verordnungsmenge im Regelfall

Die Heilmittelrichtlinie/n sehen für die verschiedenen Diagnosegruppen und Indikationsschlüssel einen Regelfall vor. Die Gesamtverordnungsmenge und die Anzahl der Behandlungen (Einheiten) je Verordnung im Regelfall ergeben sich aus dem Heilmittelkatalog.

Eine Heilmittelverordnung im Regelfall liegt dann vor, wenn die im Heilmittelkatalog festgelegten Verordnungsmengen je Diagnosegruppe nicht überschritten werden.

Verordnungsmengen, die über die im Heilmittelkatalog genannte Gesamtverordnungsmenge im Regelfall hinaus gehen, können nicht vergütet werden.

Sollte sich herausstellen, das die vorgesehene Anzahl an Einheiten für den Behandlungserfolg nicht ausreicht, so ist entsprechend den Vorgaben des Heilmittelkataloges ggf. bei einer weiteren Verordnung der Indikationsschlüssel zu wechseln bzw. eine Verordnung außerhalb des Regelfalls auszustellen.

Nur Rezidive oder neue Erkrankungsphasen können die Verordnung von Heilmitteln als erneuten Regelfall auslösen, wenn nach einer Heilmittelbehandlung ein behandlungsfreier Intervall von 12 Wochen abgelaufen ist.

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Tipp 4: KG ZNS

Krankengymnastik-ZNS sowie Krankengymnastik-ZNS-Kinder kann bei Erkrankungen des zentralen Nervensystems unter Angabe des Indikationsschlüssels ZN verordnet, durchgeführt und abgerechnet werden. Die Durchführung einer KG-ZNS-Behandlung bei einem anderen Erkrankungsbild bzw. einer anderen Indikation ist nicht zulässig und wird in der Rechnungsprüfung beanstandet.

Weitere Voraussetzung für die Abrechnung ist selbstverständlich, dass der behandelnde Therapeut eine entsprechende Zusatzqualifikation besitzt.

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Tipp 5: Heilmittelverordnung ohne Arztunterschrift

Heilmittelverordnungen sind nur mit Unterschrift vom verordnenden Vertragsarzt gültig.

Sowohl die Rahmenverträge zwischen den Berufsverbänden der Heilmittelerbringer und den Krankenkassen als auch die Heilmittel-Richtlinien schreiben als Grundlage für eine Heilmittelbehandlung die Verordnung des Vertragsarztes vor. Der Bundesmantelvertrag der Ärzte weist eindeutig daraufhin, dass der Verordnungsvordruck vom Vertragsarzt "persönlich" zu unterschreiben ist.

Die vertragsärztliche Verordnung stellt eine Willenserklärung dar, diese bedarf der Unterschrift vom Vertragsarzt. Ohne ärztliche Unterschrift ist die Verordnung nichtig.
Ein ungültige Verordnung darf nicht abtherapiert werden, und es besteht kein Vergütungsanspruch.

Achten Sie vor Beginn der Behandlung auf die Gültigkeit der Verordnung, und lassen Sie sich ggf. bei fehlender Unterschrift sofort die Verordnung vom Vertragsunterarzt unterzeichnen.

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Tipp 6: Ergotherapie

Im Bereich der Ergotherapie kann eine sensomotorisch-perzeptive Behandlung als vorrangiges oder optionales Heilmittel ausschließlich unter Angabe folgender Indikationsschlüssel verordnet, durchgeführt und abgerechnet werden:

SB2, SB3, SB6, SB7, EN1, EN2, EN3, EN4 oder PS1.

Die Durchführung und Abrechnung von psychisch-funktioneller Behandlung ist nur bei den folgenden Indikationsschlüsseln möglich:

EN1, EN2, EN3, PS1, PS2, PS3, PS4 oder PS5.

Abweichungen von den Vorgaben des Heilmittelkataloges werden bei der Rechnungsprüfung beanstandet.

Ist nach Beurteilung des Therapeuten zwar das richtige Heilmittel zur angegebenen Diagnose gewählt, aber ein abweichender Indikationsschlüssel vermerkt, muss der Therapeut beim verordnenden Arzt auf eine Änderung der Verordnung hinwirken. Nur eine richtlinienkonforme Verordnung kann vergütet werden.

"Ergotherapie" ist kein Heilmittel im Sinne der Heilmittelrichtlinien, sondern ein Oberbegriff für Beschäftigungs- und Arbeitstherapie, unter dem verschiedene Behandlungsverfahren zusammengefasst sind. Bei der Verordnung von Ergotherapie ist das Heilmittel durch den Arzt entsprechend Ziffer 20 der HMRL zu spezifizieren.

Verordnungen, die mit dem Heilmittel "Ergotherapie" ausgestellt sind, werden in der Rechnungsprüfung abgewiesen.

In diesem Zusammenhang weisen wir nochmals darauf hin, dass Änderungen des Heilmittels nur vor Abgabe der Therapie und nur mit Arztunterschrift und Datum zulässig sind. Nachträgliche Änderungen können nicht akzeptiert werden. Maßgeblich für die Abgabe eines Heilmittels ist, was zu diesem Zeitpunkt verordnet war.


Auf der Rückseite ist es nicht ausreichend, als durchgeführte Maßnahme die Abrechnungspositionsnummer anzugeben. Die Maßnahme ist inklusive des ggf. durchgeführten Hausbesuchens für den Versicherten nachvollziehbar darzustellen, bevor die Empfangsbestätigung dem Versicherten zur Unterschrift vorgelegt wird.

Der Heilmittelkatalog sieht unter § 12 Abs. 7 HLMR vor, dass die gleichzeitige Verordnung eines „vorrangigen Heilmittels“ und eines „optionalen Heilmittels“ bei der selben Schädigung nicht zulässig ist.

Ausnahme: Bei Maßnahmen der Ergotherapie kann die Verordnungsmenge je Verordnungsvordruck auf verschiedene vorrangige Heilmittel aufgeteilt werden, soweit der Heilmittelkatalog in der Diagnosengruppe mehrere vorrangige Heilmittel vorsieht. Die Aufteilung ist auf dem Verordnungsvordruck unter „Heilmittel nach Maßgabe des Kataloges“ zu spezifizieren

Beispiel:

Indikationsschlüssel EN2: Verordnungsmenge 10, davon 6 Einheiten sensomotorisch perzeptive Behandlung und 4 Einheiten Hirnleistungstraining.

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Tipp 7: Hebammenabrechnung - korrekte Gebührenposition für Arzneimittel

Die im Rahmen der Hebammenleistung abgegebene Arzneimittel sind unbedingt mit den korrekten Gebührenpositionen 5000 bis 6200 abzurechnen.

Eine falsche Abrechnung mit der Gebührenposition 8000 führt zu Fehlbuchungen im vorgeschriebenen einheitlichen Kontenrahmen und verzerrt damit die öffentlichen Statistiken.

Die abrechnenden Hebammen, die weiterhin für Arzneimittel die Gebührenposition 8000 nutzen, müssen zukünftig damit rechnen, dass dieser Teil ihrer Abrechnung in der Rechnungsprüfung abgewiesen wird und mit den korrekten Gebührenpositionen im Datensatz neu eingereicht werden muss.

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Tipp 8: Genehmigung von Verordnungen außerhalb des Regelfalles

Nach § 8 Abs. 4 HMRL sind begründungspflichtige Verordnungen der zuständigen Krankenkasse vor Fortsetzung der Therapie vorzulegen, es sei denn, die Krankenkasse hat auf das Genehmigungsverfahren verzichtet. Die AOK Niedersachsen verzichtet weiterhin nicht auf das Genehmigungsverfahren. Aus diesem Grund müssen Verordnungen außerhalb des Regelfalles (Vorder- und Rückseite) der AOK Niedersachsen vor Fortführung der Therapie zur Genehmigung vorgelegt werden. Erst ab dem Zeitpunkt der Vorlage zur Genehmigung werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen.

Eine wirksame Vorlage ist nicht zu erkennen, wenn die Verordnung die Krankenkasse nicht erreicht. Als Nachweis einer wirksamen Vorlage reicht ein Faxsendebericht nicht aus. Bitte achten Sie auch in Ihrem eigenen Interesse darauf, dass Sie bei der Abrechnung eine ausdrückliche Kostenzusage der AOK Niedersachsen beilegen, da wir ansonsten die Kosten nicht übernehmen können.

 

Hinweis:

Seit dem 10.05.2012 verzichtet die AOK Niedersachen bis auf Widerruf auf das Genehmigungsverfahren für den Bereich der Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie (Logopädie). Außerdem wird seit dem 13.08.2012 bis auf Widerruf auf das Genehmigungsverfahren für die Indikationsschlüssel LY2, LY3, AT3, ZN1, ZN2, EX4, WS2 verzichtet.

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Tipp 9: Massage

Der Heilmittelkatalog sieht bei bestimmten Diagnosegruppen die Verordnung von Massagetechniken vor. Abweichend zur Gesamtverordnungsmenge im Regelfall sind die Massagetechniken auf maximal 10 Einheiten im Regelfall beschränkt.

Ausnahme: Bei den Indikationsschlüsseln WS1 und EX1 sind maximal 6 Einheiten möglich. Sollte sich herausstellen, dass die vorgesehene Anzahl an Einheiten für den Behandlungserfolg nicht ausreicht, so ist bei einer Anschlussverordnung der Indikationsschlüssel zu wechseln. Die davor verordneten Einheiten sind auf die Gesamtverordnungsmenge anzurechnen.

Lässt sich die Behandlung mit der nach Maßgabe des Heilmittelkatalogs bestimmten Gesamtverordnungsmenge nicht abschließen, sind weitere Verordnungen außerhalb des Regefalls möglich.

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Tipp 10: Standardisierte Heilmittelkombination (D)

Der Heilmittelkatalog sieht bei bestimmten Diagnosegruppen die Verordnung von standardisierten Heilmittelkombinationen (D) vor. Die Gesamtverordnungsmenge im und außerhalb des Regelfalls von "D" ist auf insgesamt maximal 10 Einheiten begrenzt.
Werden die möglichen 10 Einheiten "D" nicht oder nicht vollständig innerhalb des Regelfalls ausgeschöpft, können die verbleibenden Einheiten außerhalb des Regelfalls verordnet werden. Wenn im Regelfall bereits 10 Behandlungen erfolgten, kann keine weitere VO der standardisierten Heilmittelkombination außerhalb des Regelfalls ausgestellt und abgerechnet werden.

Beispiele
6 x "D" im Regelfall à bis zu 4 Einheiten außerhalb des Regelfalls möglich
keine "D" im Regelfall verordnet à bis zu 10 Einheiten "D" außerhalb des Regelfalls möglich
10 x "D"“ im Regelfall à außerhalb des Regelfalls keine Verordnung möglich
Bei den Indikationsschlüsseln WS2g, EX2d und EX3d ist nur die standardisierte Heilmittelkombination verordnungsfähig. Die Verordnung eines einzelnes Heilmittels (z.B. KG oder MT) ist nicht möglich. Der Heilmittelkatalog gibt eindeutig vor, welches Heilmittel bei den entsprechenden Indikationsschlüsseln verordnet werden kann.

Auf der Rückseite der Verordnung sind alle abgegebenen Behandlungen und eventuelle Hausbesuche verständlich anzugeben und vom Versicherten am Tag der Behandlung zu bestätigen. Die Angabe von "D" ist nicht ausreichend, da für den Patienten nicht ersichtlich ist, was sich hinter dieser Bezeichnung verbirgt.

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Tipp 11: Maßnahmen zur Podologischen Therapie

Nach §13 Abs. 2 Nr. m) der HMR ist die konkrete Diagnose nach Maßgabe des Heilmittelkataloges anzugeben. Dabei muss die Art des Diabetischen Fußsyndroms (Neuropathie und/ oder Angiopathie) zwingend aus der Verordnung hervorgehen.

Die Behandlung von Hautdefekten und Entzündungen (Wagner-Stadium 1 bis 5) sowie von eingewachsenen Zehnägeln ist ärztliche Leistung und darf nicht von einem zugelassenen Podologen durchgeführt werden. Befinden sich sowohl geschlossene Fehlbeschwielungen als auch Hautdefekte und Entzündungen mit Wagner-Stadium 1 bis 5 an einem Fuß, kann eine Verordnung über podologische Leistungen ausgestellt werden.

Der Podologe darf jedoch nur die Fehlbeschwielung mit Wagner-Stadium 0 behandeln. Die Angabe "Wagner-Stadium 0" auf der Verordnung ist nicht zwingend erforderlich.

Der Indikationsschlüssel (DFa, DFb oder DFc) ist auf der Verordnung vollständig anzugeben. Eine ausformulierte bzw. ausgeschriebene Angabe der Leitsymptomatik ist nicht erforderlich, da sie sich für die Podologie bereits aus dem Indikationsschlüssel ergibt. Verordnungen ohne gültigen Indikationsschlüssel können nicht abgerechnet werden.

Die Heilmittelrichtlinie gibt die Frequenzempfehlung "alle 4 bis 6 Wochen" vor. Abweichende Frequenzangaben bedürfen einer ärztlichen Begründung. Enthält die Verordnung keine Angabe zur Frequenz, ist die 4 bis 6-wöchige Behandlungsfrequenz des Heilmittelkataloges verbindlich einzuhalten.

Die Heilmittelrichtlinie regelt die Höchstverordnungsmenge je Verordnung:

  • Erstverordnung bis zu 3 Einheiten und
  • Folgeverordnung bis zu 6 Einheiten

für Podologische Verordnungen ist keine Beschränkung der Gesamtverordnungsmenge im Regelfall vorgesehen. Dadurch gibt es keine Verordnungen außerhalb des Regelfalls.

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Tipp 12: Manuelle Lymphdrainage

Der Heilmittelkatalog sieht bei den Indikationsschlüsseln LY2 und LY3 eine Verordnungsempfehlung von 45 oder 60 Minuten vor. Hält der behandelnde Vertragsarzt eine MLD von 30 Minuten für medizinisch ausreichend und zweckmäßig, kann bei den genannten Diagnosegruppen auch die MLD- 30 Minuten verordnet werden. Eine Verordnung von längerer Dauer würde in diesen Fällen dem Wirtschaftlichkeitsgebot widersprechen.

Bei der LY1 und LY2 handelt es sich um Diagnosegruppen mit prognostisch "kurzzeitigem" bzw. "mittelfristigem" Behandlungsbedarf. Eine Verordnung außerhalb des Regelfalls ist grundsätzlich nicht möglich. Ist die Verordnungsmenge ausgeschöpft muss ein Wechsel in die nächsthöhere Diagnosegruppe erfolgen.
Ausnahme: Wenn LY2 bei einer nicht-bösartigen Erkrankung verordnet wurde und die Verordnungsmenge des Regelfalls nicht ausreicht, hat die Verordnung außerhalb des Regelfalls zu erfolgen.

Die Verordnungseinschränkung für die Massagetherapie außerhalb des Regelfalls umfasst nicht die manuelle Lymphdrainage. Die manuelle Lymphdrainage kann bei entsprechendem medizinischen Bedarf unbegrenzt außerhalb des Regelfalls verordnet werden.

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Tipp 13: "Intensivtherapie"

Die Frequenz der Behandlung muss sich am therapeutischen Effekt und der Belastungsfähigkeit des Patienten orientieren. In der ambulanten Heilmittelversorgung ist grundsätzlich nicht mehr als eine Behandlungseinheit pro Tag vorgesehen. "Intensivtherapien" mit einer Vielzahl von Behandlungen pro Tag scheiden daher aus. Ausnahmen können sich ergeben, wenn in begründeten medizinischen Ausnahmefall eine Doppelbehandlung notwendig ist und vom Arzt verordnet wird.

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Tipp 14: "neuer Arzt = neuer Regelfall"?

Die Heilmittelrichtlinie sieht für die verschiedenen Diagnosegruppen einen definierten Regelfall vor. Die Gesamtverordnungsmenge und die Anzahl der Behandlungen (Einheiten) je Verordnung im Regelfall ergeben sich aus dem Heilmittelkatalog.

Bei gleichbleibender Diagnose / Indikation löst ein Arztwechsel keinen neuen Regelfall aus. Jeder verordnende Arzt hat sich vom Gesundheitszustand des Patienten zu überzeugen und vorherige Heilmittelverordnungen des Patienten vor der Ausstellung einer neuen Verordnung abzufragen und zu berücksichtigen.

Sobald anhand der Patientendokumentation festgestellt werden kann, dass die Kennzeichnung der Verordnung (Erst-, Folgeverordnung oder Verordnung außerhalb des Regelfalls) fehlerhaft ist, ist die Verordnung vom Arzt mit Datum und Unterschrift abzuändern. Im Falle der Verordnung außerhalb des Regelfalls ist eine medizinische Begründung auf der Verordnung vom Arzt anzugeben.

Sollte der Arzt eine Änderung der Verordnung verweigern, ist dies auf der Rückseite der Verordnung ausführlich zu dokumentieren - nur dann ist die Vergütung der erbrachten Leistung sichergestellt, sofern die übrigen Voraussetzungen erfüllt sind.

In der Abrechnungsprüfung werden diese Fälle aufgegriffen und unter Beteiligung des verordnenden Arztes überprüft.

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Tipp 15: Belastungserprobung im Rahmen der Ergotherapie

Bei psychisch-funktionellen Behandlungen können im Einzelfall nach Abstimmung mit dem verordnenden Arzt bei Störung der Ausdauer und Grundarbeitsfähigkeit zwei zusammenhängende Therapieeinheiten an einem Tag als Belastungserprobung durchgeführt werden. Voraussetzung ist, dass die Therapie als Belastungserprobung vom Arzt verordnet wurde.

Ziel der Behandlung ist, die Belastbarkeit des Patienten zu einem bestimmten Zeitpunkt einschätzen zu können. Es handelt sich nicht um eine Dauertherapie. Aus diesem Grund kann die Therapie in Form einer Belastungserprobung nicht als "Therapie" über einen längeren Zeitraum erfolgen.
Eine Belastungserprobung ist bei der sensomotorisch-perzeptiven Behandlung nicht vorgesehen und kann somit nicht abgerechnet werden.

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Tipp 16: Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie

Im Bereich der Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie kann eine 60-minütige Behandlung ausschließlich unter Angabe folgender Indikationsschlüssel verordnet, durchgeführt und abgerechnet werden:

ST3, SP4, SP5, SP6, RE1, SC1 oder SC2.

Bei den Indikationsschlüsseln ST1, ST2, ST4, SP1, SP2, SP3 RE2 und SF ist demnach eine Abrechnung von 60 Minuten mit Anlieferung der Positionsnummer 33106 nicht möglich.

Abweichungen von den Vorgaben des Heilmittelkataloges werden bei der Rechnungsprüfung beanstandet.

Ist nach Beurteilung des Therapeuten zwar die richtige Zeiteinheit zur angegebenen Diagnose gewählt, aber ein abweichender Indikationsschlüssel vermerkt, muss der Therapeut beim verordnenden Arzt auf eine Änderungen der Verordnung hinwirken. Nur eine richtlinienkonforme Verordnung kann vergütet werden.

In diesem Zusammenhang weisen wir nochmals darauf hin, dass Änderungen des Heilmittel nur vor Abgabe der Therapie und nur mit Arztunterschrift und Datum zulässig sind. Nachträgliche Änderungen können nicht akzeptiert werden.

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Tipp 17: Maßnahmen auf der Rückseite der Verordnung

Die Unterschrift des Versicherten dient zur Bestätigung der durchgeführten Behandlung. Aus diesem Grund ist es unverzichtbar, dass vor der Unterschrift die Art und bei manueller Lymphdrainage oder Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie die Dauer der Therapie und eventuelle Hausbesuche verständlich (keine Positionsnummern) angegeben werden müssen. Die Maßnahme ist am Tag der Leistungsabgabe vom Patienten zu bestätigen.

Wir machen Sie darauf aufmerksam, dass nachträgliche Änderungen oder Eintragungen den Inhalt der Versichertenunterschrift verfälschen und diese damit entwerten.
 

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Tipp 18: Die Diagnose muss zum Heilmittel passen

Im Heilmittelkatalog sind Einzeldiagnosen zu Diagnosegruppen zusammengefasst. Den Diagnosegruppen sind die einzelnen verordnungsfähigen Heilmittel zugeordnet. (§ 4 Abs. 2 Heilmittelrichtlinie).

Entsprechen Diagnose und verordnetes Heilmittel nicht den Vorgaben des Heilmittelkatalogs wird die abgerechnete Leistung nicht vergütet.

Beispiel:

Indikationsschlüssel ZN2a: Der Heilmittelkatalog sieht bei dem Indikationsschlüssel nur KG –ZNS (nach Bobath, Vojta, PNF) oder allgemeine KG als Heilmittel vor. Ein anderes als zuvor genanntes Heilmittel kann nicht mit der AOK Niedersachsen abgerechnet werden. 
 

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Tipp 19: Mögliche Kombination eines vorrangigen und ergänzenden Heilmittels

Soweit medizinisch erforderlich kann zu einem „vorrangigen Heilmittel“ oder „optionalen Heilmittel“ nur ein weiteres im Heilmittelkatalog genanntes „ergänzendes Heilmittel“ verordnet werden.

Der Heilmittelkatalog sieht vor, welche vorrangigen/ optionalen und ergänzenden Heilmittel in Kombination verordnet werden dürfen.

Entspricht die verordnete Kombination eines vorrangigen/ optionalen und ergänzenden Heilmittels nicht den Vorgaben des Heilmittelkatalogs wird das ergänzende Heilmittel nicht vergütet.

Beispiel:

Indikationsschlüssel WS2c: Der Arzt verordnet KG-Gerät und Wärmetherapie (Fango). Diese Kombination ist nicht im Heilmittelkatalog vorgesehen, die Wärmetherapie darf nicht abgegeben und abgerechnet werden.
 

 

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Tipp 20: Angabe ICD 10 Schlüssel, Indikationsschlüssel im Datensatz

Nach § 302 SGB V und der Technischen Anlage 1 für maschinelle Abrechnung ist zwingend notwendig, dass im Datensatz der vollständige und korrekte Indikationsschlüssel angegeben wird. Des Weiteren ist der ICD 10-Schlüssel im DTA anzugeben, wenn dieser auf der Verordnung eingetragen ist.
 

Grund: Die an uns übermittelten Daten werden im Rahmen der Richtgrößen- und Wirtschaftlichkeitsprüfung weiter verwendet, so dass wir auf eine korrekte Datenlieferung in jedem Fall angewiesen sind.
 

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Tipp 21: Zwei Verordnungen an einem Tag

Der Heilmittelkatalog § 12 Abs. 4 und 7 sieht vor, dass zwei Verordnungen an einem Tag (bei gleicher Diagnose) nicht ausgestellt werden dürfen. Soweit medizinisch erforderlich kann zu einem „vorrangigen Heilmittel“ (A) oder „optionalen Heilmittel“ (B) nur ein weiteres im Heilmittelkatalog genanntes „ergänzendes Heilmittel“ (C) verordnet werden (d.h. max. zwei Heilmittel je Verordnung).
Die gleichzeitige Verordnung eines „vorrangigen Heilmittels“ (A) und eines „optionalen Heilmittels“ (B) bei der selben Schädigung ist nicht zulässig.

Jede weitere Verordnung, die am selben Tag ausgestellt wurde, mit gleicher Diagnose, bei gleicher Schädigung, kann nicht vergütet werden.
Abweichungen von den Vorgaben des Heilmittelkataloges werden bei Rechnungsprüfung beanstandet.
 

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