IGeL: trotz Kritik weit verbreitet

Patientin im Gespräch mit ihrem Augenarzt / copyright: Thomas Northcut, istockphoto

(08.05.18) Jedem zweiten Patienten werden beim Arztbesuch Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) angeboten, die privat bezahlt werden müssen. Das zeigen die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes der Krankenkassen (MDS). Die IGeL-Angebote widersprechen in vielen Fällen den Empfehlungen medizinischer Fachverbände, weil ihr Schaden den Nutzen überwiegt.

Augeninnendruckmessung ist häufigstes IGeL-Angebot

Individuelle Gesundheitsleistungen sind gut bekannt und werden von Patienten oft in Anspruch genommen. Die am häufigsten angebotene und angenommene Leistung ist die Augeninnendruckmessung zur Glaukom-Früherkennung.
Diese Untersuchung wurde jedem fünften Versicherten (22 Prozent), der mit IGeL beim Arztbesuch in Kontakt kam, vorgeschlagen. Das hat eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes der Krankenkassen (MDS) ergeben.

Weitere weit verbreitete Selbstzahler-Angebote für Patienten sind der Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung bei Frauen, der Ultraschall der Brust zur Krebsfrüherkennung sowie der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs bei Männern.

Initiative zu Zusatz-Angeboten geht selten von Patienten aus

Obwohl diese Leistungen weit verbreitet sind, ist ihr medizinischer Nutzen umstritten. So bewertet der IGeL-Monitor des MDS beispielsweise die Augeninnendruckmessung und den PSA-Test als "tendenziell negativ", den Ultraschall der Eierstöcke als "negativ". Mehr noch: Vom Ultraschall der Eierstöcke rät laut MDS auch die Fachgesellschaft der Frauenärzte ab, da in Studien kein Nutzen gezeigt werden konnte und es durch Überdiagnosen zu erheblichen Schäden kommen kann. "Unser Fazit ist: Die IGeL-Angebote orientieren sich nicht am nachgewiesenen medizinischen Nutzen, sondern an den Vorlieben einzelner Arztgruppen und an den Umsatzinteressen der Praxen", fasst Dr. Peter Pick, Geschäftsführer des MDS, die Ergebnisse zusammen.

In der Umfrage wurden die Patienten auch gefragt, ob sie selbst IGeL nachgefragt haben. Nur bei vier Prozent der erbrachten IGeL ging die Initiative von Patienten aus.

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