Ambulante Versorgung

In den vergangenen drei Jahrzehnten sind an deutschen Krankenhäusern zahlreiche Formen ambulanter Behandlung mit unterschiedlichen Versorgungsaufgaben, Rechtsformen und Vergütungsmodellen entstanden.

Seit der Einführung ambulanter Operationen im Jahr 1993 hat sich das Spektrum von der Hochschulambulanz über Ermächtigungen und eine Reihe von Spezialambulanzen bis hin zu Disease-Management-Programmen ausgeweitet. Das Sozialgesetzbuch nennt heute mehr als ein Dutzend Formen ambulanter Versorgung in Krankenhäusern. In der Praxis spielen ambulante Operationen und die ambulante Behandlung komplexer Erkrankungen die Hauptrolle.

  • Ambulante Behandlung / Ambulante Spezialfachärztliche Versorgung

    Krankenhäuser können die Zulassung zur Ambulanten Behandlung im Rahmen der Landesplanung beantragen. Die entsprechende Richtlinie sieht eine „hochspezialisierte, interdisziplinäre Versorgung von Patienten mit komplexen Erkrankungen“ vor, wobei der Auftrag auf bestimmte, hochspezialisierte Leistungen und bestimmte seltene Erkrankungen eingeschränkt ist. Die Regelungen werden infolge des Versorgungsstärkungsgesetzes sukzessive von den neuen Regelungen zur Ambulanten Spezialfachärztlichen Versorgung abgelöst.
  • Ambulantes Operieren

    Der GKV-Spitzenverband, die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) haben eine Vereinbarung über ambulant durchführbare Operationen und sonstige stationsersetzende Eingriffe getroffen. Der Vertrag zielt darauf ab, nicht notwendige Klinikaufenthalte zu vermeiden und die sektorenübergreifende Kooperation zu verbessern. Vertragsärzte und Krankenhäuser werden für ambulante Operationen einheitlich vergütet. Auf die Krankenhäuser entfällt etwa ein Viertel des gesamten Ausgabenvolumens ambulanter Operationen. Mehr...
  • Geriatrische Institutsambulanzen

    Geriatrische Fachkrankenhäuser, Allgemeinkrankenhäuser mit selbständigen geriatrischen Abteilungen sowie Krankenhausärzte können vom Zulassungsausschuss zur ambulanten Versorgung geriatrischer Patienten ermächtigt werden, sofern dies zur Sicherung der geriatrischen Versorgung notwendig ist. Die Verordnung und Therapie sollen anschließend durch Hausärzte erfolgen. Die Versorgungsform hat bisher nahezu keine praktische Relevanz.
  • Hochschulambulanzen

    Universitäts-Kliniken sind zur Behandlung von Patienten mit schweren oder komplexen Erkrankungen ermächtigt. Mit 3,5 Millionen Fällen und 0,5 Milliarden Euro Erlösvolumen (2013) bilden sie eine wichtige Säule der ambulanten universitären Krankenbehandlung.
  • Kinderspezialambulanzen

    Ambulante Leistungen im Bereich der Kinder- und Jugendmedizin werden nach den für Vertragsärzte geltenden Grundsätzen vergütet. Für ambulante Leistungen in der Kinderchirurgie, der Kinderorthopädie, Pädaudiologie und Kinderradiologie sollen die Landesverbände der Kranken- und Ersatzkassen zusätzlich fall- oder einrichtungsbezogene Pauschalen vereinbaren, wenn diese zur angemessenen Vergütung erforderlich sind. Die Pauschalen werden direkt mit den Krankenkassen abgerechnet.
  • Medizinische Versorgungszentren

    Als Gründer von Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) können Krankenhäuser an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmen, sofern im jeweiligen Fachgebiet keine Zulassungsbeschränkungen bestanden oder Zulassungen beantragt werden konnten. Ende 2014 wurden 38,4 Prozent der MVZ von Krankenhäusern getragen.
  • Notfallambulanzen

    Die ambulante Notfallbehandlung durch Krankenhäuser gilt als vertragsärztliche Leistung, wenn kein Vertragsarzt für die unmittelbare Behandlung des Patienten verfügbar ist. Sie ist vorgesehen für Patienten, die wegen akuter Erkrankungen außerhalb der regulären Sprechstunde dringend einen Arzt brauchen. Krankenhäuser, die nicht an der Notfallversorgung von Patienten teilnehmen, haben in der Regel niedrigere Kosten. Für sie gilt in der Abrechnung deshalb ein Abschlag von 50 Euro für jeden vollstationären Fall vom Erlösbudget.
  • Psychiatrische Institutsambulanzen

    Alle psychiatrischen Fachkrankenhäuser und Allgemeinkrankenhäuser mit selbstständigen, fachärztlich geleiteten psychiatrischen Abteilungen haben einen Anspruch auf Ermächtigung ihrer Institutsambulanzen für die ambulante Versorgung. Mit etwa 500 Millionen Euro haben Psychiatrischen Institutsambulanzen (PIA) in ihrem Fachgebiet einen hohen Anteil an der ambulanten Versorgung. In den PIA können alle fachgebundenen Leistungen erbracht werden, so etwa psychiatrische, psychotherapeutische Leistungen, Soziotherapie, psychiatrische häusliche Krankenpflege und Laborleistungen. Das Nähere zu Form und Inhalt der Abrechnung vereinbaren der GKV-Spitzenverband und die Deutsche Krankenhausgesellschaft.
  • Sozialpädiatrische Zentren

    Sozialpädiatrische Zentren unter ständiger ärztlicher Leitung können vom Zulassungsausschuss zur ambulanten sozialpädiatrischen Behandlung zugelassen werden, sofern sie eine leistungsfähige und wirtschaftliche sozialpädiatrische Behandlung gewährleisten. Der Versorgungsauftrag richtet sich auf Kinder, die aufgrund der Art, Schwere oder Dauer ihrer Erkrankung nicht von geeigneten Ärzten oder Frühförderstellen behandelt werden können (z.B. Koordinations- und Sprachentwicklungsstörungen, Störungen des Stoffwechsels oder Nervensystems unter Einbeziehung des sozialen Umfelds). Das Nähere zu Form und Inhalt der Abrechnung vereinbaren der GKV-Spitzenverband und die Deutsche Krankenhausgesellschaft.

Darüber hinaus nehmen Krankenhäuser an der ambulanten Behandlung von Patienten teil, die in Disease-Management-Programme eingeschrieben sind; sie erfüllen Aufgaben der fachärztlichen Versorgung, die durch Terminservicestellen vermittelt werden, und erbringen Leistungen im Rahmen der Besonderen Versorgung (früher Integrierte Versorgung).