Geplantes DMP Depressionen: Priorisierung einer Therapie bleibt schwierig

Foto: Depressive junge Frau

(08.06.17) Internationale Leitlinien decken alle wichtigen Aspekte der Behandlung von Depressionen ab. Trotz großer Konsistenz in den Therapieempfehlungen bleibe indes offen, welche Behandlungsoption im Einzelfall gegenüber einer anderen zu bevorzugen sei. Mit diesem Fazit schloss das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) seinen Abschlussbericht zur entsprechenden Leitlinienrecherche. Der Bericht bildet die Grundlage für die Entwicklung eines neuen Disease-Management-Programms (DMP) Depression.

Im Gegensatz zum Vorbericht, der auf 14 Leitlinien beruhte, bezog das IQWIG nun insgesamt 22 Leitlinien in seine Recherche ein, die meisten aus Großbritannien und den USA. Die Mehrheit der Empfehlungen bezieht sich auf die Therapie schwerer depressiver Episoden. Dabei treffen die Leitlinien nach Einschätzung der Autoren weitgehend konsistente Aussagen. Auffällig sei die Vielzahl der möglichen Therapieansätze, wobei die Recherche keine eindeutigen Hinweise auf zu bevorzugende Maßnahmen ergeben habe. Im Übrigen enthielten die Leitlinien kaum Hinweise zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen: Sowohl im Bereich der uni- als auch der bipolaren Störungen gäbe es für junge Patienten nur wenige bis gar keine Empfehlungen.

Seelische Erkrankungen sind noch immer ein Stigma

Die Autoren stellten ihre Ergebnisse für unipolare und bipolare Erkrankungen jeweils getrennt dar. Bereits im Vorbericht hatten sie angeregt, die beiden Formen von Depressionen auch in einem DMP differenziert zu betrachten. Zum anderen könne eine Eingrenzung auf mittelgradige und schwere Formen der Erkrankung aus Sicht des IQWIG Vorteile bieten: "Zwar sind Depressionen in der Öffentlichkeit inzwischen etwas weniger stigmatisiert als etwa noch vor zehn oder 20 Jahren. Gerade die zahlreichen Patientinnen und Patienten mit einer leichten unipolaren Erkrankung könnten aber davor zurückschrecken, sich in ein DMP einzuschreiben, vor allem aus Sorge, durch ein "Label" Depression Nachteile zu erfahren", heißt es in der Pressemitteilung des Instituts.

Mit dem Auftrag zur Leitlinien-Recherche bereitet der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) die geplante Entwicklung eines neuen, strukturierten und sektorenübergreifenden Behandlungsprogramms vor. Nach der Veröffentlichung des sogenannten Vorberichts im Herbst 2016 hat das IQWIG nun den Abschlussbericht vorgelegt. Ob ein DMP für Patienten mit Depressionen tatsächlich etabliert wird, entscheidet der GBA. 

Zum Abschlussbericht des IQWIG
Zum Vorbericht des IQWIG