"Manchmal werde ich Rammbock sein müssen"

Andreas Westerfellhaus

Andreas Westerfellhaus; Fotocredit: Stefan Boness

(17.04.18) Andreas Westerfellhaus ist der neue Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung. Mit der Berufung des langjährigen Präsidenten des Deutschen Pflegerates hatte Gesundheitsminister Jens Spahn einen Überraschungscoup beim Deutschen Pflegetag Mitte März 2018 gelandet. Noch während des Pflegetages hatte G+G-Chefreporter Thomas Hommel Gelegenheit, mit Westerfellhaus ein Interview für das AOK-Magazin zu führen.

"Ich bin Sprachrohr, Zuhörer, Anwalt - und ich werde manchmal Rammbock sein", kündigt Westerfellhaus in dem Gespräch an. Er macht deutlich, dass er auch in seiner neuen Funktion für die Anliegen der Pflegeberufe und der Pflege insgesamt kämpfen werde: "Mein Ziel jedenfalls ist es, dass alle, die Pflege direkt oder indirekt angeht - Patienten, Heimbewohner, Angehörige wie auch professionell Pflegende - möglichst rasch merken, dass unser Pflegesystem noch besser wird. Dass sie merken: Politik und Gesellschaft lassen mich nicht im Regen stehen. Das bereitet den Menschen doch die größte Sorge."

Seine Berufung wertet der gelernte Kranken- und Fachkrankenpfleger auch als Signal, die Sicht der Pflegeprofession stärker und sehr viel direkter als bisher in die Gesundheitspolitik einfließen zu lassen. Die Leistungserbringer habe man bei den bisherigen Pflegereformen vergessen.

Mit Blick auf die Pflegestärkungsgesetze stellt der Bevollmächtigte fest: "Selten ist eine so gravierende Veränderung im Gesundheitsbereich derart reibungslos über die Bühne gegangen wie die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffes." Die Pflegekassen machten in puncto Pflegeberatung einen guten Job. Doch bei niedrigschwelligen Unterstützungsangeboten von Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen gebe es weiter "Luft nach oben".

Keine Abstriche bei der Qualifizierung der Pflegekräfte machen

Das drängende Personalproblem in der Pflege dürfe nicht dazu führen, Abstriche bei der Qualifizierung der Pflegekräfte zu machen, betont Westerfellhaus: "Ich warne davor, zu sagen wir haben jetzt weniger qualifizierte Leute in der Pflege, also definieren wir mal eben neu, was unter einer Fachkraft zu verstehen ist. Eine Pflegefachkraft hat für mich immer eine mindestens dreijährige Ausbildung absolviert. Da beißt die Maus keinen Faden ab."

Aus Sicht des Pflegebevollmächtigten hat Pflegeprofession "wie andere Berufsgruppen im Gesundheitswesen auch das Recht, sich selbst zu verwalten, Spielregeln der Berufsausübung zu definieren und zu überwachen und sich eine starke Stimme gegenüber anderen Leistungserbringern und der Politik zu verschaffen".

Die Forderung nach mehr Kompetenzen für die Pflegekräfte sei kein Selbstzweck, konstatiert Westerfellhaus. Eine Neuverteilung von Aufgaben müsse immer ein Mehr an Versorgungsqualität zum Ziel haben. Als Beispiel nennt er im G+G-Gespräch die Versorgung chronischer Wunden: "Mir soll bitte mal einer erklären, warum der ambulante Pflegedienst, der qualifiziert dafür ist und als allererstes beim Patienten aufschlägt, nicht auch derjenige ist, der die chronische Wunde diagnostiziert und Entscheidungen für weitere therapeutische Schritte trifft - bei Bedarf unter Einbeziehung eines Gefäßchirurgen oder Internisten. Das ist für mich patientenorientierte Versorgung."

Weiterführende Informationen:

"Manchmal werde ich Rammbock sein müssen"
Das G+G-Interview als Leseprobe zum Download