Behandlungsfehler: Jeder vierte Vorwurf bestätigt sich

Behandlungsfehler-Statistik 2017 - k

(06.06.18) Der Medizinische Dienst des GKV-Spitzenverbandes (MDS) hat die aktuelle Behandlungsfehler-Statistik 2017 vorgestellt. Danach haben die Medizinischen Dienste der Krankenkassen (MDK) insgesamt 13.519 Sachverständigengutachten zu vermuteten Behandlungsfehlern erstellt. Das waren knapp 1.600 weniger als im Vorjahr. In rund jedem vierten Fall hat sich der Verdacht bestätigt.

Laut Statistik kamen die MDK-Gutachter zu dem Ergebnis, dass in knapp 3.400 Verdachtsfällen ein Behandlungsfehler vorliegt. "Unsere Bilanz fällt ernüchternd aus: Wir sehen immer wieder die gleichen Fehler und zwar auch solche, die nie passieren dürften, weil sie gut zu vermeiden wären – vom im Körper vergessenen Tupfer bis hin zu Verwechslungen von Patienten und falschen Eingriffen", sagt Dr. Stefan Gronemeyer, Leitender Arzt und stellvertretender Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes des GKV-Spitzenverbandes (MDS). Am häufigsten wurde 2017 ein Fehlervorwurf in der Pflege bestätigt (49,8 Prozent von 663 Fällen).

Es mangelt weiterhin an Transparenz

Trotz aller engagierten Bemühungen für mehr Patientensicherheit mangele es weiter an Transparenz bei Art und Umfang von Fehlern. "Es fehlt an einer konsequenten Strategie, um die Patientensicherheit zu verbessern, wie es international in vergleichbaren Gesundheitssystemen längst Praxis ist", kritisiert Gronemeyer.

Auch in der aktuellen Begutachtungsstatistik betreffen zwei Drittel der Vorwürfe Behandlungen im Krankenhaus und ein Drittel den ambulanten Bereich. Am häufigsten vermuten Patienten einen Fehler nach einer Operation. Insbesondere in der Orthopädie und Unfallchirurgie hatten viele Patienten den Eindruck, dass etwas schief gelaufen sei und ließen die Behandlung mit zuletzt mehr als 4.250 Fällen vom MDK überprüfen. Etwa 27 Prozent der Beschwerden wurde als Fehler tatsächlich bestätigt.

Wie geht der MDK mit Behandlungsfehlervorwürfen um?

Im MDK gehen spezialisierte Gutachterteams Behandlungsfehlervorwürfen nach. Dabei prüfen sie, ob die Behandlung nach dem anerkannten medizinischen Standard erfolgt ist. Liegt ein Behandlungsfehler vor, so wird außerdem ermittelt, ob der Schaden, den der Patient erlitten hat, auf den Fehler zurückzuführen ist. Nur dann sind Schadensersatzforderungen aussichtsreich. Auf der Basis des MDK-Gutachtens kann der Patient entscheiden, welche weiteren Schritte er unternimmt. Die MDK-Begutachtung umfasst neben der Beurteilung von Fehlern in der Medizin auch Fehler in der Zahnmedizin.

Die AOK hat für Versicherte, die einen Behandlungsfehler vermuten, ein professionelles Behandlungsfehlermanagement entwickelt. Die Fachleute der AOKs prüfen den Verdacht auf Behandlungs- oder Pflegefehler sowie Schäden, die durch Medizinprodukte oder Arzneimittel entstanden sein könnten. Stellungnahmen und Gutachten des MDK sind Teil dieses Programms.

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