Qualitätssicherung: Erstes sektorenübergreifendes QS-Verfahren für den Bereich Psychiatrie und Psychosomatik

(18.02.16) Das AQUA-Institut hat den Abschlussbericht für ein Verfahren zur Qualitätssicherung (QS) bei der Versorgung Volljähriger mit Schizophrenie, schizotypen und wahnhaften Störungen vorgelegt. Das Institut ermittelte insgesamt 27 Indikatoren, die die sektorenübergreifende Qualität der Behandlung im Hinblick auf Strukturen, Prozesse und Ergebnisse messbar machen sollen. Dabei werden Versorgungsziele aus den Bereichen der Koordination (stationärer Einrichtungen beziehungsweise Praxen mit jeweils anderen Leistungserbringern), der Pharmakotherapie, der somatischen Versorgung und der Psychotherapie berücksichtigt, ebenso der Einsatz restriktiver Maßnahmen, Aspekte des sogenannten Empowerments und der Angehörigenpartizipation. Schließlich werden Strukturmerkmale der stationären Einrichtungen berücksichtigt. Dieses erste für den psychiatrischen und psychosomatischen Bereich entwickelte Indikatorenset bietet nach Einschätzung des AQUA-Instituts einen "guten Einstieg" in die Qualitätssicherung für Menschen mit psychischen Erkrankungen im Allgemeinen.

Fokus liegt auf Prozessen im stationären Sektor

Das im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) entwickelte QS-Verfahren soll sich auf mehrere Datenquellen stützen. Dafür sollen Sozialdaten der Krankenkassen mit den Patientendaten der ambulanten und stationären Leistungserbringer - sowohl mit einrichtungs- als auch fallbezogenen Informationen - verknüpft werden. Aufgrund der verfügbaren Erhebungsinstrumente bildet die Mehrheit der Indikatoren bis dato Aspekte der Prozessqualität ab. Während im ambulanten Bereich die Pharmakotherapie und damit zusammenhängende Kontrollen überrepräsentiert sind, fallen bei den Kliniken Merkmale wie die Kooperation mit ambulanten Einrichtungen, die Einbeziehung der Angehörigen und restriktive Maßnahmen besonders ins Gewicht. Merkmale der Strukturqualität beschränken sich ganz auf den stationären Sektor, und auch bei der Erhebung die Ergebnisqualität liegt nur einer von vier Indikatoren im ambulanten Bereich. Das Verfahren adressiert damit vor allem die Versorgung von Patienten, bei denen eine Selbst- oder Fremdgefährdung vorliegt und eine ambulante Behandlung nicht ausreicht. 

Patientenbefragung bietet weiteres Potenzial

Über die vorhandenen Instrumente hinaus hat das AQUA-Institut für den Bericht noch das Potenzial der Patientenbefragung untersucht und als Instrument der Datenerhebung positiv bewertet. Hierfür sollte nach Ansicht der Autoren ein entsprechendes Verfahren entwickelt werden.

Der Abschlussbericht des AQUA-Instituts – Institution nach Paragraf 137a SGB V – wurde am 21. Januar 2016 vom GBA abgenommen.

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