Neue Leitlinie Demenzen: Psychosoziale Intervention genauso wirksam wie Medikamente

(16.02.16) Kognitive Stimulation, ergotherapeutische Maßnahmen und körperliche Aktivitäten können bei Patienten mit leichter und mittelschwerer Demenz zum Erhalt von Alltagskompetenzen beitragen. Das betonen die Autoren der neuen "Leitlinie Demenzen 2016".  Unter Mitwirkung von 23 Fachgesellschaften, Verbänden und Organisationen wurden die aktuellen Empfehlungen zu Diagnostik und Therapie von Alzheimer- und Demenzerkrankungen Ende Januar 2016 veröffentlicht. Während im Bereich der Arzneimitteltherapie in den vergangenen Jahren kaum Fortschritte erzielt wurden – nur wenige Medikamente wirken, keines hat krankheitsmodifizierende Effekte –, erlaubt die aktuelle Studienlage jedoch einen gezielteren Einsatz der nachweislich wirksamen Arzneimittel. In psychosoziale Interventionen sollten Angehörige und Bezugspersonen mit einbezogen werden. Die Möglichkeiten der Früherkennung haben sich erheblich verbessert, das Recht auf Nichtwissen bleibt indes erhalten: Niemand darf gegen seinen Willen getestet werden. Im Zuge der Vorbeugung rät die S3-Leitlinie zu einem allgemein gesunden Lebensstil mit körperlicher Bewegung und sozialen sowie kognitiven Aktivitäten. Als Risikofaktoren gelten dagegen Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht. 

Wirkungslose Arzneimittel gelistet

Die neue S3-Leitlinie Demenzen wurde unter der Leitung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) entwickelt. Ihr liegen 418 Publikationen zugrunde. Erstmals konnte die Leitlinie im Vorfeld der Veröffentlichung via Internet eingesehen und kommentiert werden. Neben den Elementen einer wirkungsvollen Behandlung führt die aktuelle Fassung auch häufig verabreichte Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel auf, die nachweislich keine Wirkung zeigen.

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