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Qualität der medizinischen Versorgung weiter verbessern
Fachtagung zu Qualitätsmanagement
18.11.09 (ams). Die Qualität der medizinischen Versorgung in Deutschland gehört zu den besten der Welt. Das gilt sowohl für Krankenhäuser wie für niedergelassene Haus- und Fachärzte. Gleichwohl gibt es auch hier noch Verbesserungspotenziale. Auf dem Kongress Qualitätsmanagement mit Routinedaten (QMR) wurde eindrucksvoll dargelegt, welche Instrumente der Qualitätsmessung mit Routinedaten es gibt, wie sich die nationalen und internationalen Erfahrungen mit solchen Instrumenten darstellen und wie sie in der Praxis eingesetzt werden.
Die AOK verfolgt mehrere Ansätze in der Qualitätssicherung. Sie stellte zum Beispiel kürzlich das Qualitätsindikatorensystem für die ambulante Versorgung QISA vor. Es wurde zusammen mit dem Göttinger AQUA-Institut von Professor Joachim Szecsenyi entwickelt. Gleichzeitig läuft seit Jahren das Projekt "Qualitätssicherung mit Routinedaten" (QSR) für die stationäre Versorgung. Das vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) zusammen mit den Helios-Kliniken und der Universität Magdeburg seit 2002 vorangetriebene Projekt kann mittlerweile eine Vorreiterrolle in der Qualitätssicherung in Deutschland beanspruchen.
Mehr als 100 Kliniken in Deutschland nutzen bereits Routinedaten, die Krankenhäuser für die Abrechnung ihrer Leistungen an die Krankenkassen übermitteln, zur Qualitätsverbesserung. Die vor einem Jahr von ihnen gegründete Initiative Qualitätsmedizin (IQM) zog Mitte November auf dem Kongress "Qualitätsmessung und Qualitätsmanagement" in Potsdam eine erste Bilanz. Die Analysen zeigen deutliche Qualitätsunterschiede zwischen den Leistungserbringern.
So wenige vermeidbare Komplikationen wie möglich
"Diese Qualitätsunterschiede weisen auf vermeidbare Komplikationen und Todesfälle hin", sagte der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Dr. Herbert Reichelt. Die AOK werde sich im Bereich der Qualitätssicherung weiter engagieren. "Unser Ziel ist, die vermeidbaren Komplikationen auf ein Minimum zu reduzieren", so Reichelt. Das sei, wenn man nicht nur einzelne ausgesuchte Teilbereiche der Versorgung betrachten wolle, mit vertretbarem Aufwand nur mit breiter Nutzung von Routinedaten möglich. Mit QSR stehe dafür ein Instrumentarium zur Verfügung, dass Ergebnisqualität nachvollziehbar messe und im Vergleich zu anderen Krankenhäusern in Klinikberichten dokumentiere. Die QSR-Messinstrumentarien und die -Anwendungsplattformen werden laut Reichelt ständig weiterentwickelt.
Günther Heller vom WIdO kündigte neue Qualitätsindikatoren für eine Ausweitung der Qualitätssicherung mit Routinedaten unter anderem auf die Bereiche Geburthilfe, Herzkatheter und Schlaganfall an. Auch an den Methoden der Berücksichtigung unterschiedlich schwerer Fälle in den Qualitätsvergleichen der Kliniken (Risikoadjustierung) werde weiter gearbeitet.
Zusammenhang von Qualität und Vergütung
Die QSR-Analysen und Ergebnisse sind nicht nur für Kliniken, sondern auch für Patienten und Ärzte zur Auswahl von Kliniken für eine Operation oder Behandlung interessant und geeignet. Daneben könnten sie auch für eine leistungsbezogene, an Qualität orientierte Vergütung der Krankenhäuser (Pay for Performance/P4P) verwendet werden, sagte Heller. Deshalb werde aktuell wie auch in Zukunft nicht nur an sinnvollen Aufbereitungen von QSR-Informationen für Transparenzregelungen gearbeitet, sondern auch an Verfahren zur Nutzung von QSR-Informationen für die qualitätsorientierte Bezahlung.
Informationen an Einweiser und Patienten
AOK-Vorstandschef Reichelt bezeichnete es als ein wesentliches Ziel, Qualitätsinformationen für Patienten verständlich aufzubereiten. Er versicherte, dass die AOK die Krankenhäuser weiterhin partnerschaftlich mit Qualitätsinformationen unterstützen werde, über die sie sonst nicht verfügen können. Vom kommenden Jahr an werde die AOK neben Informationen des gesetzlichen Qualitätsberichts nach Paragraf 137 des Fünften Sozialgesetzbuchs (SGB V) den Versicherten und Patienten zusätzlich sukzessive QSR-Informationen im AOK-Krankenhaus-Navigator zur Verfügung stellen. Darüber hinaus seien verschiedene regionale Klinikführer in Arbeit.
Die Idee, die Bezahlung medizinischer und speziell ärztlicher Leistungen an Qualitätsnormen zu koppeln, ist nicht neu. Wie Thomas Göbel von der AOK Hessen auf dem QMR-Kongress in Potsdam berichtete, hat die AOK Hessen bereits mit ausgewählten Krankenhäusern integrierte Versorgungsverträge über Hüftgelenk-Endoprothesen (TEPs) mit einer Gewährleistungsfrist von zehn Jahren geschlossen. Im vorigen Jahr seien die Verträge neu konzipiert worden. Die bisherige Qualitätsmessung, die für die Krankenhäuser zusätzlichen Dokumentationsaufwand bedeutete, wurde durch einzelne QSR-Indikatoren wie der Wiederaufnahmerate ersetzt. Künftig werden die QSR-Indikatoren jährlich individuell mit dem Krankenhaus besprochen. Zielsetzung ist, dass die Krankenhäuser eine deutlich bessere Ergebnisqualität als der Bundesdurchschnitt erbringen. Die Partnerschaft zwischen den Krankenhäusern und der AOK Hessen ist dadurch gekennzeichnet, dass es zunächst keine vertraglichen Sanktionen bei Nichterreichung der Zielsetzung gibt. Vielmehr sollen die Krankenhäuser die Möglichkeit erhalten, internes Verbesserungspotenzial zu erkennen und zu erschließen.
Die AOK Rheinland/Hamburg setzt bei der Qualitätsverbeserung vor allem auf Transparenz. Die Bewertung der Leistungsanbieter von Hüft- und Knieoperationen erfolgt auch hier mit den QSR-Daten des WIdO. AOK-Versicherten würden für die Prothetik nur Krankenhäuser empfohlen, die laut den Routine-Qualitätsdaten zum besten Viertel gehören und bei Patientenbefragungen gut abgeschnitten hätten, berichtete Matthias Mohrmann von der AOK Rheinland/Hamburg. Da sich viele Patienten vor der Operation vor allem von ihren Hausärzten beraten ließen, lege die AOK insbesondere auf die Information der niedergelassenen Ärzte großen Wert.
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