Die AOK will durch die Verbindung von Hausarztverträgen und selektiven Verträgen mit Fachärzten die Versorgung für ihre Versicherten verbessern. Ziel sei eine "gut verzahnte" Behandlung, sagte Dr. Herbert Reichelt, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes, auf einer Veranstaltung der Reihe "AOK im Dialog" im November in Berlin. Dabei will man sich auf die Erkrankungen konzentrieren, die schwer verlaufen und weit verbreitet sind. Besonders im Blickpunkt stehen bei der AOK die Indikationen Rheuma und Depression.
Rheumapatienten früh zum Spezialisten
Wo bei der Behandlung dieser Erkrankungen Defizite bestehen und wie diese zu beseitigen sind, skizzierten Experten der AOK und mehrerer Berufsverbände. Dr. Edmund Edelmann, Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Rheumatologen, erklärte, mit einer zeitnäheren Überweisung von rheumakranken Pati enten an internistische Rheumatologen ließe sich die Lebensqualität und die Lebenszeit der Betroffenen steigern und die Folgekosten der Erkrankung senken. Eine Progression des Rheumas sei gewöhnlich abwendbar, wenn sich Patienten mit ersten Symptomen innerhalb von drei Monaten bei einem Spezialisten vorstellten. Derzeit vergingen aber bis zu drei Jahre, bis dies geschehe. Zu fordern sei, dass Hausärzte zusätzliche Kenntnisse in Rheumatologie erwerben und im Verdachtsfall bestimmte Werte mittels Laboruntersuchungen messen.
Psychisch Kranke müssen zu lange warten
Auch Diplom-Psychologe Dieter Best, Bundesvorsitzender der Deutschen Psychotherapeuten-Vereinigung, benannte bei der Fachtagung Mängel in der Versorgung psychisch Kranker, darunter zu lange Wartezeiten auf eine Therapie. Außerdem erhielten zu viele Menschen Antidepressiva, ohne dass bei ihnen eine entsprechende Krankheit diagnostiziert worden sei. Die Arbeitsmenge der Psychotherapeuten sei zwar nicht vermehrbar, da Psychotherapeuten gewöhnlich Sitzungen mit einer Länge von 50 Minuten abhielten, doch diese Zeit könne man flexibler nutzen. So machten Gruppentherapien derzeit nur 2% des Volumens der Psychotherapeuten aus. Außerdem ließen sich längere Therapien bisweilen durch mehr Kriseninterventionen verhindern. "Der AOK-Bundesverband arbeitet bereits an entsprechenden Konzepten", sagte Reichelt. Eine hausarztzentrierte Versorgung könne eine gute Basis sein, um AOK-Versicherten, die eine weitergehende Behandlung brauchen, zeitnah Zugang zum Facharzt zu ermöglichen. Auch eine leitliniengerechte und strukturierte Diagnose durch die Hausärzte ließe sich durch die Verknüpfung von Hausarztverträgen und selektiven Verträgen mit Fachärzten fördern.