Qualitätsindikatoren QISA: Aus der Theorie in die Praxis
Der Zufall ist der größte Feind der Qualität. Das weiß auch Dr. med. Werner Besier aus Mannheim-Feudenheim. Gemeinsam mit anderen Medizinern hat er darum im Rahmen eines Hausarztmodells der AOK Baden-Württemberg das Ärztenetz "Qu@linet" gegründet, an dem 100 Haus-, elf Kinderärzte sowie 10 000 AOK-Versicherte teilnehmen. Um in der Praxis nichts dem Zufall zu überlassen und eine gute Behandlungsqualität gewährleisten zu können, sollen die Qu@linet-Ärzte fortlaufend einen Überblick über Behandlungserfolge und -rückschläge erhalten. "Deswegen entwickeln wir kontinuierlich Indikatoren, an denen wir unsere tägliche Arbeit messen können", sagt der Qu@linet- Vorstandsvorsitzende Besier.
Arbeiten mit dem Qualitätsindikatoren-Set
Vor allem das "Qualitätsindikatoren- System für die Ambulante Versorgung" (QISA) sei dabei sehr hilfreich. "Mit den Indikatoren speziell für Arztnetze können wir umfangreiche Daten zur Versorgungsqualität in den einzelnen Praxen gewinnen und diese vergleichen." Das Indikatoren-Set wurde vom AOKBundesverband und dem Göttinger Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen (AQUA) entwickelt. Insgesamt umfasst QISA über 100 systematisch ausgewählte Indikatoren – die ersten wurden Mitte Juni in fünf von insgesamt 15 Bänden veröffentlicht. So sind auf QISA aufbauend zum Beispiel unterschiedliche Präventionsindikatoren in das Ärztenetz eingebaut worden. "Bewegung, Rauchen, Ernährung – hier haben wir wichtige Module konzipiert, mit denen wir die Gesundheit unserer Patienten schützen können", sagt Besier. Anhand der QISA-Indikatoren haben die Ärzte spezielle Präventionspläne erarbeitet, unter anderem für die Behandlung von Patienten mit Asthma oder der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), die nach wie vor rauchen. Ziel sei es dabei, die Patienten zur Raucherentwöhnung zu motivieren. Im Rahmen des Präventionsplanes wird über eine standardisierte Abfrage herausgearbeitet, welche Hilfestellungen den Patienten gegeben werden können. Aufgrund der standardisierten Herangehensweise in den Qu@linet-Praxen können Erfolge und Misserfolge gut dokumentiert werden. "Am Ende können wir überprüfen, wie erfolgreich wir etwa nikotinabhängige Patienten auf dem Weg der Raucherentwöhnung begleitet haben – gegebenenfalls überarbeiten wir Strukturen und Empfehlungen", so Besier.
Wissenschaftlich evaluiert
"QISA ist ein wichtiges Instrument des strategischen Qualitätscontrollings, dessen Ergebnisse immer weitere Ziele und damit neue Steuerungsprozesse auslösen", fasst Gisela Daul, Leiterin des Referats "Neue Versorgungsformen" bei der AOK Baden-Württemberg, die Bedeutung von QISA zusammen. Dass die Arbeit mit den Indikatoren tatsächlich wirkt, belegt die wissenschaftliche Evaluierung der Prognos AG. So hat sich etwa die Beratungshäufigkeit von Übergewichtigen zum Thema "gesunde Ernährung" verfünffacht. Auch die Zahl der Beratungen zur Raucherentwöhnung hat im selben Zeitraum von knapp 18% auf 58% zugenommen. Entsprechend ist der Anteil der Raucher unter den Qu@linet-Versicherten von 27% auf 23% gesunken.
QISA macht Schule
So wie das Qu@linet in Mannheim greift auch die AOK Rheinland/Hamburg in zwei Modellen zur integrierten Vollversorgung auf QISA zurück. Mit den Vertragspartnern hat sich die AOK auf ein Set von zehn Indikatoren zu den Bereichen "Regionale Bedeutung des Versorgungsmodells", "Steuerung und Koordinierung der Versorgung" sowie "Prävention" verständigt. "Auch die weitere Vorgehensweise ist bereits vereinbart – mit der Entwicklung von Behandlungspfaden zur standardisierten und qualitätsgesicherten Versorgung der Versicherten werden auch indikationsspezifische Indikatoren vereinbart. Hierbei wird uns QISA sicherlich die Arbeit erleichtern", so Cornelia Prüfer-Storcks, Mitglied des Vorstandes bei der AOK Rheinland/Hamburg.
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