"Pflege braucht keinen Stimmungsaufheller"

Franz Wagner - G+G Interview

Franz Wagner; Fotocredit: Stefan Boness

"Hoch qualifiziert und motiviert, aber wenig wertgeschätzt" - Im Interview mit dem AOK-Magazin G+G analysiert der Präsident des Deutschen Pflegerates (DPR), Franz Wagner, die Situation der Pflege in Deutschland. Er streicht heraus, wie wichtig Pflegekräfte für eine gute Versorgung sind, und setzt auf ein differenziertes Bild des Pflegeberufes. Die eigentliche Herausforderung sei es, sicherzustellen, "dass die Menschen mit der richtigen Qualifikation an der richtigen Stelle zum Einsatz kommen." Um mehr junge Menschen für den Pflegeberuf zu begeistern, setzt der DPR-Präsident auf mehr Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit seiner Profession. Dabei könnten sich hierzulande die Pflegeprofis viel von ihren Kollegen in den USA abschauen.

Von 2005 bis 2009 war Wagner Vizepräsident des Weltverbandes der Pflegeberufe. Seine Erfahrung aus dieser Zeit: "Die Grundprobleme in der Pflege unterscheiden sich international kaum. Es geht fast überall um mehr Anerkennung, die Auseinandersetzung mit der Ärzteschaft und eine angemessene Vergütung." Allerdings erfolge in den meisten anderen Ländern die pflegerische Berufsausbildung an Hochschulen. Damit, so Wagner im G+G-Interview mit Thomas Hommel, sei auch eine andere Wahrnehmung von Pflege verknüpft. Daran fehle es in Deutschland.

Akademisierung der Pflege ist kein Selbstzweck

Beim Einsatz des Pflegerates für ein Mehr an akademischer Pflegeausbildung geht es nach Darstellung Wagners aber nicht vorrangig ums Ansehen: "Es geht um eine bessere Versorgung. Wir wissen aus zahlreichen internationalen Studien: Je qualifizierter die Menschen in der Pflege sind und je mehr qualifiziertes Pflegepersonal am Krankenbett steht, desto besser sind die Ergebnisse beim Patienten. Das reicht über weniger Komplikationen bei Operationen und geht bis hin zur Absenkung der Sterblichkeitsrate. Akademisierung von Pflege ist also kein Selbstzweck, sondern eine Investition in gute Versorgung.“

Franz Wagner ist Gesundheits- und Krankenpfleger, Lehrer für Pflegeberufe und Master of Science in Nursing. Seit 2006 ist er Vizepräsident des Pflegerates. Wagner hat das Amt von Andreas Westerfellhaus übernommen.

"Pflege braucht keinen Stimmungsaufheller"
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