Pflege nutzt digitale Technik noch zu selten

(07.08.17) Die Pflege in Deutschland nutzt noch zu selten die Vorteile digitaler Technik. Das ist das Ergebnis einer jetzt veröffentlichten Studie, die vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) in Auftrag gegeben wurde. Die empirische Analyse zeigt, dass die bisherigen Projekte in der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) sich stark auf die direkte Unterstützung der Leistungsempfänger sowie der ambulanten Pflege fokussieren. Die Potenziale der vernetzten Versorgung wurden dabei jedoch nicht ausgeschöpft. Als ein zentrales Hemmnis führten die Wissenschaftler die mangelnde Technikkompetenz der Dienstleister sowie der pflegenden Angehörigen an. Im Fokus der Untersuchung stand die aktuelle Ist-Situation der IKT im Pflegebereich, kurz "ePflege".

Bei der im Rahmen der Studie durchgeführten Onlinebefragung von 63 Akteuren in der Pflege gaben 68 Prozent an, sich mit IKT zu befassen. 49 Prozent haben mindestens ein einschlägiges Projekt durchgeführt und 40 Prozent verfügen nach eigenen Angaben über ein Konzept zum Einsatz von IKT in der Pflege. 90 Prozent der Befragten planen, sich zukünftig verstärkt mit IKT in der Pflege auseinanderzusetzen.

Die meisten IKT-Projekte haben die ambulante Pflege im Blick (49 Prozent). Hingegen nur sieben Prozent befassen sich mit der stationären Pflege und sechs Prozent mit beiden Bereichen. 36 Prozent gaben an, kein spezifisches Handlungsfeld zu haben. Projekte im Bereich der ambulanten Pflege beschäftigen sich häufig (41 Prozent) mit der Sicherheit und Autonomie Pflegebedürftiger zu Hause. Dabei geht es etwa um Fußmatten oder Matratzen mit integrierten digitalen Sensoren. Die Studie kritisiert, dass bestehende Projekte zu häufig von Technikentwicklern geleitet werden und die zu selten die Interessen der Leistungsempfänger einbinden.

Digital in die Zukunft

Die Studie schlägt eine sogenannte "Geschäftsstelle ePflege" vor. Sie soll durch öffentlichkeitswirksame Maßnahmen alle Beteiligten besser informieren und miteinander ins Gespräch bringen. Leuchtturmprojekte können die Möglichkeiten der quartiersnahen Vernetzung von Leistungsempfängern und Dienstleistern des Gesundheits- und Pflegewesens deutlich machen und erfolgreiche Beispiele öffentlich vorstellen.

Ein Ziel der technischen Systeme soll sein, dass ältere Menschen künftig länger in ihren eigenen vier Wänden leben können. Digitale Medien vermögen den Aufwand für Bürokratie bei Pflegediensten und in Heimen verringern. Laut Studie haben sich aber bislang weder die Pflegeberufe noch Industrie und Wissenschaft als Treiber für eine Digitalisierung in der Pflege hervorgetan.

Studie "Digitale Lösungen in der Pflege" zum herunterladen