Deutscher Pflegetag 2016

Zum dritten Mal treffen sich Pflege- und Gesundheitsexperten aus Politik, Verbänden und Praxisarbeit zum Deutschen Plfegetag in Berlin, um über die Zukunft der Pflege zu diskutieren. Der Kongress findet vom 10. bis 12. März in der STATION-Berlin statt. 

Pressekonferenz zum Auftakt des Deutschen Pflegetages 2016

Eröffnung des Deutschen Pflegetages 2016: v. l. n. r. Andreas Westerfellhaus; Karl-Josef-Laumann; Martin Litsch; Jürgen Graalmann (Quelle: Deutscher Pflegetag)

 

Experten diskutieren Pflegeausbildungsreform

Präsident des Deutschen Pflegerates, Andreas Westerfellhaus

Bei der gemeinsamen Pressekonferenz begrüßte der Präsident des Deutschen Pflegerates, Andreas Westerfellhaus, die geplante Reform der Pflegeausbildung: "Endlich ist das Pflegeberufegesetz auf den Weg gebracht. Das ist eine gute Nachricht für alle professionell Pflegenden, denn damit wird ihre Arbeit deutlich aufgewertet." Westerfellhaus zeigte sich zuversichtlich, dass die neue Ausbildung zu besseren Karrierechancen und zu einer angemesseneren Bezahlung, insbesondere in der Altenpflege, führen werde. Zudem sichere die Reform die benötigte Basis an gut ausgebildeten und motivierten Pflegefachkräften. 

Hinter den Reformzielen steht auch der AOK-Bundesverband. "Besonders die Abschaffung des Pflegegelds für Pflegeschüler und die akademische Pflegeausbildung sind sinnvoll", sagte Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes Martin Litsch. In der Umsetzungsphase müsse allerdings darauf geachtet werden, dass mit den geplanten Maßnahmen die Qualität der Berufsausbildung und die Attraktivität des Berufs auch tatsächlich steigen.

Pflegeberuf attraktiver machen

Die Reform der Pflegeausbildung dürfte eines der beherrschenden Themen beim Kongress werden. Aus Sicht des Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung, Karl-Josef-Laumann, wird das Gesetz den Pflegeberuf deutlich attraktiver machen. Die generalistische Pflegeausbildung sorge für die dringend notwendige Anpassung an die Erfordernisse der demografischen Veränderungen und medizinischen Entwicklungen ."Dabei werden nicht einfach die alten Inhalte der bisher drei getrennten Ausbildungen in einen Topf geworfen", betonte Laumann bei der Pressekonferenz. "Bei der generalistischen Ausbildung geht es um eine vollkommen neue Art der Ausbildung mit einem vollkommen neuen Denken und einer vollkommen neuen Struktur."

Duales Berufsbildungssystem auf die Pflege anwenden

Die AOK unterstützt eine Aufwertung der Pflegeberufe. Kritisch bewertete Martin Litsch bei der Pressekonferenz allerdings die vorgesehene Finanzierung der Ausbildung durch Landesausbildungsfonds: "Damit stehlen sich die Länder aus ihrer finanziellen Verantwortung, die schulischen Ausbildungskosten angemessen zu refinanzieren." Der Vorstandschef des AOK-Bundesverbandes verwies in diesem Zusammenhang auf das vorbildliche duale Berufsbildungssystem: "Um dieses System werden wir in der ganzen Welt beneidet. Warum wenden wir es nicht auch konsequent auf die Pflegeausbildung an?"

Dringender Reformbedarf für eine älter werdende Gesellschaft

Infografik Reform der Pflegeausbildung

Der Deutsche Pflegerat (DPR) unterstützt vehement die generalistische Ausbildung zur "Pflegefachfrau" beziehungsweise zum "Pflegefachmann", zu der die drei bisherigen Ausbildungswege (Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpflege) zusammengeführt werden sollen. Dies sei aus mehreren Gründen notwendig, sagte DPR-Präsident Westerfellhaus: "Der Bedarf an Pflegefachkräften steigt enorm. Bis 2030 wird eine Versorgungslücke von bis zu 500.000 Vollzeitkräften prognostiziert. Die Anzahl der Pflegebedürftigen wird in den kommenden 15 Jahren von heute 2,6 auf dann 3,3 Millionen ansteigen. Zudem werden künftig zunehmend übergreifende pflegerische Qualifikationen benötigt, beispielsweise durch den Anstieg an Demenzkranken in medizinischen Versorgungseinrichtungen."

Mit Pflegekammern der Pflege eine starke Stimme geben

Eng verbunden mit der Ausbildungsreform ist die Einrichtung von Pflegekammern. "Deutschland braucht Pflegekammern", fordert Westerfellhaus. "Sie stellen die Berufsgruppen der Pflege als wichtige und ernstzunehmende Akteure in den Mittelpunkt der pflegerischen Versorgung. Das ist Wertschätzung für die professionell Pflegenden und zugleich das Ende der Fremdbestimmung. Die Pflege bestimmt künftig selbst." Erfolgreich gestartet ist die Landespflegekammer in Rheinland-Pfalz. Schleswig-Holstein und Niedersachsen werden noch in diesem Jahr folgen. Mit großen Schritten wird damit auf eine Bundespflegekammer zugesteuert.

Beschäftigung in der Pflege als Chance für Integration

Der Deutsche Pflegetag widmet sich auch der Frage, welche Chancen sich im Pflegeberuf für Migranten ergeben. Bei allen Bestrebungen, nach Deutschland geflüchteten Menschen eine berufliche Perspektive im Bereich der Pflege zu bieten, müsse der Bereitschaft und Eignung eine besondere Rolle zukommen. "Denn Pflege ist ein anspruchsvoller Beruf", sagte der Sprecher der Geschäftsleitung des Deutschen Pflegetages, Jürgen Graalmann, bei der Pressekonferenz. Es sei jetzt aber ein guter Zeitpunkt, "das schlummernde Potenzial im Kreis der Migranten zu entdecken und ausbildungsbereite Menschen zu identifizieren". Mit guten Konzepten könne man nicht nur einen Beitrag zur Behebung des Fachkräftemangels leisten, sondern auch zu ihrer beruflichen und gesellschaftlichen Integration.

Warnung vor "Etikettenschwindel"

Mit Seitenblick auf Gesundheitsstaatssekretär Laumann mahnte Litsch bei der Eröffnung, die Politik müsse nach den beiden Pflegestärkungsgesetzen mit Verbesserungen für die ambulante Versorgung auch für Pflegeheime attraktive Rahmenbedingungen schaffen. Sonst laufe sie Gefahr, Ausweichmanöver der Pflegeheim-Betreiber zu provozieren. Erste Anzeichen dafür seien schon zu erkennen. "Wir beobachten derzeit, dass Träger von Pflegeeinrichtungen zunehmend Versorgungsstrukturen entwickeln, die ein ambulantes Versorgungsangebot simulieren, eigentlich aber wie eine stationäre Einrichtung funktionieren. Durch diese Strategie, die man auch einen Etikettenschwindel nennen könnte, optimieren Pflegeeinrichtungen ihre Erlöse, und für die pflegerische Versorgung ist dadurch nichts gewonnen", so Litsch.

Zentraler Branchentreff

Logo Deutscher Pflegetag 2016

Der 3. Deutsche Pflegetag findet vom 10. bis 12. März in der STATION-Berlin statt. Schirmherr ist Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe. Beim zentralen Branchentreffen erwartet die Besucher ein umfangreiches Programm mit über 70 Foren und 170 Referentinnen und Referenten. Das Spektrum reicht von den strukturellen Grundlagen für eine gute Versorgung bei Demenz über Qualifizierungsangebote, Interprofessionalität und Personalbemessung, Innovationsmanagement und zahlreiche sehr praktische, gut funktionierende Beispiele vor Ort bis hin zur Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt gegen Pflegende.

AOK ist wieder mit eigenen Veranstaltungen vertreten

Der AOK-Bundesverband ist als Gründungspartner des Deutschen Pflegetages auch 2016 mit einem Messestand, mehreren Veranstaltungen und elf Referenten vertreten. 

 

  • Zukunft der stationären Pflege - Vergesst die Heime nicht

    Beim Diskussionsforum der AOK richtet seinen Blick auf die Zukunft der stationären Pflege in Deutschland. Dabei geht es um die Fragen: Wohin entwickelt sich das Pflegeheim der Zukunft? Wird daraus ein Zentrum des Quartiers? Oder entwickelt sich das Pflegeheim zu einem letzten Lebensort für besonders schwer pflegebedürftige Menschen? Benötigt die stationäre Pflege mehr Unterstützung der Politik oder liegt es bei den Pflegeanbietern selbst, sich fit für künftige Herausforderungen zu machen? An der Diskussion nehmen Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks, Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes, Professor Dr. Klaus Jacobs, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), Andreas Künzel von der Bremer Heimstiftung sowie Thomas Knieling, Bundesgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Alten- und Behindertenhilfe teil.
  • Mehr Zeit, mehr Beratung, mehr Entlastung?!

    Unter dem Motto "Mehr Zeit, mehr Beratung, mehr Entlastung?!" diskutieren die pflegepolitischen Sprecher von Union und SPD, Erwin Rüddel und Mechthild Rawert, sowie die Teamleiterin Pflegeberatung/Pflegestützpunkte bei der AOK Nordost, Birgit Burmeister, gemeinsam mit Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen, wie die beiden aktuellen Pflegereformen - die Pflegestärkungsgesetze I und II - den Alltag der Betroffenen verändern.
  • Neue Herausforderungen in der Beratung

    Eine Übersicht darüber, was die Pflegereformen für die Pflegeberatung bedeuten, welchen Qualitätsrahmen die Beratung braucht, und ob die Beratung beim Betroffenen ankommt stehen auf dem Programm der Veranstaltung "Neue Herausforderungen in der Beratung".
  • Zielgruppenspezifische Beratung am Beispiel Kinder

    Kinder sind Schwerpunkt einer AOK-Veranstaltung zur zielgruppenspezifischen Beratung, die die besonders schwierige Situation von Familien mit pflegebedürftigen Kindern beleuchtet. Unter anderem werden dort Ergebnisse der Kooperation des AOK-Bundesverbandes mit dem Kindernetzwerk aufgegriffen, die auch in der Broschüre "Familie im Fokus" zu finden sind.
  • Beratung aus der Pflege

    Bei der Vortragsreihe "Beratung aus der Pflege" geht es um die Konzepte für die Versorgungsplanung am Lebensende als Umsetzung des Hospiz- und Palliativgesetzes, die Palliativberatung der Kranken- und Pflegekassen und die Frage, wie sich die Kommunen für die Aufgabe rüsten.
  • Reha vor und bei Pflege

    Eine weitere Veranstaltung der AOK befasst sich mit dem Thema "Reha vor und bei Pflege". Erörtert werden Fragen wie diese: Profitieren Pflegebedürftige von der Reha? Außerdem erhalten die Teilnehmer einen Überblick über die Inanspruchnahme stationärer Rehabilitationsleistungen in Deutschland, vor und bei Pflegebedürftigkeit, sowie über die Projekte "MORECARE - Gemeinsam pflegen in der mobilen Rehabilitation" und "Orbit" der AOK Baden-Württemberg.
  • Messestand der AOK

    Am Kongressstand der AOK können die Teilnehmer sich an der Aktion "Wunschbaum" beteiligen und sich über neue gesetzliche Regelungen, den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff oder über Thema Demenz informieren.

Weitere Informationen