Kniegelenk: OP-Zahlen steigen

Arzt untersucht Röntgenbild eines künstlichen Kniegelenks (c) choja / iStock

(25.06.18) In Deutschland werden immer mehr künstliche Kniegelenke eingesetzt. Zunehmend erhalten auch vergleichsweise junge Patienten unter 60 Jahren Knieprothesen. Das berichtet die Bertelsmann-Stiftung. Medizinisch erklärbar sei diese Entwicklung nicht.

Hatten Ärzte im Jahr 2013 noch 143.000 Knieprothesen eingesetzt, so waren es 2016 bereits 169.000. Dieser Anstieg um 18 Prozent folgt auf Jahre stabiler und zuletzt rückläufiger Knieprothesen-Eingriffe. Für die aktuelle Entwicklung gebe es weder medizinische noch demographische oder geografische Gründe. Besonders deutlich stiegen die Operationszahlen bei den unter 60-Jährigen - von 27.000 auf 33.000, und damit um 23 Prozent. Errechnet hat diese Zahlen das Science Media Center (SMC) im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung.

Schon im vergangenen Jahr hatte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) darauf hingewiesen, dass in Deutschland 60 Prozent mehr Kniegelenkersatz-OPs erfolgen als im OECD-Durchschnitt.

Künstliche Kniegelenke sind für jüngere Patienten besonders risikoreich

Nach Einschätzung der Bertelsmann-Stiftung ist die deutliche Zunahme von Knieprothesen-Operationen bei Jüngeren besonders problematisch. Denn je jünger die Patienten bei einem Erst-Kniegelenks-Eingriff sind, desto höher sei die Wahrscheinlichkeit, dass ihre Prothesen im Laufe ihres Lebens ausgetauscht werden müssen. Solche Wechseloperationen sind nicht nur belastend für die Patienten, sondern führen auch häufiger zu Komplikationen und zu schlechteren Ergebnissen als die Erst-Operation.

Was sind die Ursachen für den Anstieg? Bertelsmann-Stiftung und SMC argumentieren, dass Knieprothesen-Operationen finanziell lukrativer geworden seien. Über eine zentrale Fallkostenpauschale könnten Kliniken für diese Eingriffe einen höheren Betrag abrechnen. Zudem fragten anscheinend immer mehr Patienten nach einer Prothese.

In der aktuellen Analyse zeigen sich gravierende regionale Unterschiede beim erstmaligen Einsatz eines künstlichen Kniegelenks. In Bayern (260 Eingriffe je 100.000 Einwohner) und Thüringen (243) wurde 2016 am meisten operiert. Deutlich weniger Patienten wurden in Berlin (153) und in Mecklenburg-Vorpommern (164) mit einem künstlichen Kniegelenk versorgt. Bei den unter 60-jährigen Patienten ergeben sich ähnliche regionale Muster. 

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