Notfallversorgung: Drei-Stufen-Konzept beschlossen

Bild: Ein Notfallpatient wird reanimiert

(27.04.18) Krankenhäuser müssen künftig bestimmte medizinische Anforderungen und Qualitätsstandards erfüllen, um Vergütungszuschläge für die Versorgung von Notfällen zu erhalten. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) in seinem Beschluss zum gestuften System für die Notfallversorgung festgelegt. Die Zuschläge sind gestaffelt nach dem Umfang der Strukturen, die eine Klinik in jeder Versorgungsstufe vorhalten muss. In ländlichen Regionen werden alle Kliniken, die Sicherstellungszuschläge erhalten können, als Basisnotfallversorger eingestuft. Darüber hinaus gibt es Sonderregelungen für spezielle Notfallversorgungsangebote wie Traumazentren, Einrichtungen für Kindernotfälle, Schlaganfallpatienten oder Patienten mit Durchblutungsstörungen am Herzen. Belegärzte sollen künftig keine Notfälle mehr behandeln. Auf der Grundlage des Stufensystems sollen die Deutsche Krankenhausgesellschaft, der GKV-Spitzenverband und der Verband der privaten Krankenversicherung in den kommenden Monaten Zu- und Abschläge für die Teilnahme oder Nichtteilnahme an der Notfallversorgung vereinbaren.

Qualität in der Notfallversorgung ist jetzt definiert

Je nach Ausstattung und Leistungsangebot können die Krankenhäuser künftig eine Basisnotfallversorgung (Stufe 1), eine erweiterte Notfallversorgung (Stufe 2) oder eine umfassende Notfallversorgung (Stufe 3) anbieten. Dafür müssen jeweils bestimmte Fachabteilungen vorhanden sein, es gibt Vorgaben zur Qualifikation des Personals, zu Versorgungskapazitäten und zur medizinisch-technischen Ausstattung sowie zu Strukturen und Prozessen. So dürfen die Patienten nach der Aufnahme durch die Zentrale Notaufnahme nicht länger als 30 Minuten auf eine fachärztliche Untersuchung warten, bei Bedarf muss innerhalb dieser Frist auch ein Anästhesist zur Stelle sein. „Notfälle sind zeitkritisch“, betonte Prof. Joseph Hecken, unparteiischer Vorsitzender des GBA: „Wir sprechen nicht über Patienten, die sich die Ohren ausspülen lassen wollen, sondern hier sind in der Regel Schadensereignisse vorausgegangen.“ Mit dem Beschluss habe der GBA den „Spagat zischen kurzen Wegen und den Voraussetzungen für Qualität beschrieben, die billigerweise gegeben sein müssen“, so Hecken. Die Bundesländer können jedoch in Ausnahmefällen einzelne Kliniken auch dann als Notfallversorger in den Krankenhausplan aufnehmen, wenn sie die Kriterien verfehlen.

Mehr als Tausend Kliniken bleiben dem System erhalten

Um die Folgen der Regelung abschätzen zu können, hatte der GBA die vorhandenen Notfall-Strukturen durch das IGES-Institut und auf der Basis weiterer Quellen analysieren lassen. Die Inventur durch das IGES ergab, dass von 1.748 Allgemeinen Krankenhäusern, die heute an der Notfall-Versorgung teilnehmen, künftig 822 Kliniken Basisnotfallversorger sein werden. 144 würden an der erweiterten und 97 an der umfassenden Notfallversorgung teilnehmen. Nach derzeitiger Einschätzung werden 99,6 Prozent alle Bundesbürger auch künftig innerhalb von 30 Minuten eine Notaufnahme erreichen.

Etwa fünf Prozent der Notfälle des Jahres 2017 wurden an Kliniken behandelt, die die neuen Anforderungen derzeit nicht erfüllen (36 Prozent der Krankenhäuser). Während heute also bundesweit etwa 150 Häuser keine Zuschläge bekommen, könnten es künftig etwa 650 sein. Wie viele es nach Ablauf der Übergangsfrist von drei Jahren tatsächlich sein werden, bleibe abzuwarten, erklärte Hecken: „Viele dieser Kliniken sind sogenannte Schwellenhäuser, die einen großen Teil der Kriterien erfüllen, aber ihren Computertomografen zum Beispiel am Wochenende abschalten. Es hängt davon ab, was diese Häuser tun.“

In seinem Beschluss forderte der GBA die Krankenhäuser außerdem zur Kooperation mit den Kassenärztlichen Vereinigungen auf: Durch den Aufbau weiterer Portalpraxen sollen Selbsteinweiser im Umfeld der Notaufnahmen zunehmend ambulant versorgt werden können. 

Zum Beschluss des GBA