Neue Leitlinien zur künstlichen Beatmung

(26.02.18) Erstmals gibt es S3-Leitlinie für die Behandlung künstlich beatmeter Patienten. Das hat das Universitätsklinikum Leipzig mitgeteilt, das Koordinationszentrum der Publikation für den deutschsprachigen Raum war. Die neue S3-Leitlinie bündelt Informationen zu Beatmungstherapie, spezifischen Einstellungen der Beatmungsmaschinen sowie Entwöhnung und möglichen Folgeerkrankungen. Ziel der Veröffentlichung ist es, einen allgemeingültigen Behandlungsstandard zu schaffen.

"In der Intensivmedizin arbeiten unterschiedliche Fachdisziplinen vom Anästhesisten über den Chirurgen bis zum Neurologen. Dies führt bisher zu einer Heterogenität in der Versorgungsqualität schwer kranker, künstlich beatmeter Patienten", sagt Intensivmediziner Falk Fichtner vom Universitätsklinikum Leipzig. Die neue Leitlinie wurde über einen Zeitraum von vier Jahren von Ärzten, Pflegern, Physiotherapeuten, Patientenvertretern und 23 Fachgesellschaften entwickelt. Sie enthält die Erkenntnisse aus rund 3.500 Publikationen über die Behandlung von Patienten mit künstlicher Beatmung.

Mini-Taschenausgabe für bessere Verbreitung

Eine Mini-Taschenausgabe erklärt auf einem A6-Blatt in sechs kurzen Schritten die wichtigsten Aussagen der Leitlinie zur künstlichen Beatmung. "Dieses Blatt soll jedem, der auf einer Intensivstation arbeitet, bei der Behandlung von akutem Lungenversagen helfen und so die Versorgungsqualität unserer Patienten verbessern", erklärte Fichtner. Die kurze Zusammenfassung soll zur besseren Verbreitung der Inhalte dienen.

Hintergrund

Die Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) sind Hilfen für Ärzte zur Entscheidungsfindung in spezifischen Situationen. Sie beruhen auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und in der Praxis bewährten Verfahren und sorgen für mehr Sicherheit in der Medizin, sollen aber auch ökonomische Aspekte berücksichtigen. Die Leitlinien sind für Ärzte rechtlich nicht bindend.

Die AWMF entwickelt und klassifiziert die Leitlinien in vier Entwicklungsstufen von S1 bis S3. Die höchste Qualitätsstufe der Entwicklungsmethodik ist dabei die S3.

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