Antibiotikaresistenzen: WHO veröffentlicht Liste der globalen Problemkeime

(07.03.17) Die World Health Organization (WHO) hat eine Liste der bedrohlichsten bakteriellen Krankheitserreger veröffentlicht, die zurzeit durch Antibiotika schlecht oder gar nicht bekämpft werden können. Angeführt wird sie von dem sogenannten Klinikkeim Acinetobacter baumannii, der Gattung der Pseudomonas aeruginosa, die häufig an Beatmungsschläuchen oder Luftbefeuchtern gedeiht, und die für gewöhnlich im Darm vorkommenden Enterobakterien, ebenfalls für Krankenhausinfektionen verantwortlich. Alle drei Stämme zeigen sich mittlerweile resistent gegen die Wirkstoffgruppe der Carbapeneme. Die Liste unterscheidet Resistenzen von "kritischer", "hoher" und "mittlerer" Priorität und soll für die Forschung und Entwicklung neuer Antibiotika als Orientierungshilfe dienen. 

Resistente Keime auf dem Vormarsch

Antibiotikaresistenzen breiten sich in der Europäischen Union (EU) weiter aus. Erst Ende Februar warnte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) in einem Bericht vor immer widerstandfähigeren Keimen. Insbesondere Salmonellen und die durch sie ausgelöste Salmonellose sei inzwischen schwer zu bekämpfen. Die WHO zählt die Gattung der Salmonella spp. zu den Krankheitserregern mit "hoher" Priorität. Als letztes Mittel galt bisher bei schweren Salmonellen-Infektionen der Einsatz von Carbapenem, berichtet die Efsa. Die Wirksamkeit des Breitband-Antibiotikums sei in Europa nach wie vor hoch - erstmals wurden in der Studie jedoch auch Resistenzen gegen Carbapeneme nachgewiesen.

Die Autoren stießen zudem auf signifikante regionale Unterschiede: Bakterien sind demnach im Süden und Osten der EU noch deutlich widerstandsfähiger als Norden und Westen. Die Wissenschaftler führen dies auf die unterschiedliche Verschreibungspraxis zurück. Dem Berichte liegen Daten der 28 EU-Staaten aus dem Jahr 2015 zugrunde.

WHO-Liste der bedrohlichsten bakteriellen Krankheitserreger


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