Geringere Operationsrisiken für Patienten in spezialisierten Krankenhäusern

(09.09.16) In Krankenhäusern, die bestimmte planbare Eingriffe wie Hüftoperationen häufig ausführen, erleiden Patienten weniger Komplikationen als in Kliniken mit deutlich niedrigeren Fallzahlen.

Zu diesem Schluss kommt die Bertelsmann-Stiftung in ihrem aktuellen "Faktencheck Gesundheit" zum Thema Krankenhausstruktur. Das Berliner IGES-Institut hat im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung errechnet, wie sich der Zusammenhang zwischen Fallzahlen und Ergebnisqualität darstellt - am Beispiel von fünf Leistungsbereichen: Hüft-Totalendoprothesen (Hüft-TEP), Prostata-Entfernungen, Herz-Bypässe, Herzklappen-OP (klassisch) und minimal-invasive Herzklappen-OP (TAVI). Weiter hat das IGES-Institut in einer Simulation berechnet, wie sich verbindliche Mindestmengen für diese Eingriffe auf die Krankenhauslandschaft auswirken würden.

Der IGES-Studie zufolge könnte in Deutschland bei Hüftoperationen die Versorgungsqualität verbessert werden, wenn die Operationen nur in Kliniken durchgeführt würden, die im Jahr mehr als 176 Fälle behandeln. Im Jahr 2014 erfolgte dieser Eingriff an 311 Kliniken, die weniger als 50 Operationen dieser Art vornehmen. Bei Prostata-Entfernungen weisen mehr als zehn Prozent von den 414 Kliniken, die jedes Jahr diese Operation durchführen, weniger als fünf Behandlungsfälle im Jahr aus.

Bei bestimmten planbaren Eingriffen wie Knie-TEPs, Nieren- und Lebertransplantationen hat sich die Einführung von Mindestmengen bereits bewährt. Bertelsmann-Stiftung und IGES-Institut kommen im aktuellen Faktencheck zum Ergebnis, dass die Einführung verbindlicher Mindestmengen für die genannten Operationen mehr Versorgungsqualität und eine höhere Sicherheit für Patienten bedeuten würde. Gleichzeitig müssten Patienten bei einer stärkeren Spezialisierung von Krankenhäusern im Durchschnitt keine wesentlich längeren Fahrtzeiten zur nächstgelegenen Klinik in Kauf nehmen.

Verbindliche Mindestmengen für planbare Eingriffe müssten außerdem nicht zwangsweise zu einem Kliniksterben führen: Zum einen wäre die Grund- und Notfallversorgung von einer solchen Regelung nicht betroffen. Zum anderen könnten Mindestmengen auch als Impuls für mehr Spezialisierung und Kooperation wirken, was letztlich auch dabei helfen dürfte, diese Leistungen effizienter zu erbringen.

Der Fokus auf stärkere Spezialisierung bei Kliniken findet sich auch im Krankenhausstrukturgesetz wieder. So sollen Krankenhäuser künftig für bestimmte planbare Leistungen, wie etwa Knieoperationen, nur noch dann Geld bekommen, wenn sie bei diesen Eingriffen pro Jahr auf eine festgelegte Menge kommen. 

Auch das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), das den jährlichen Krankenhaus Rating Report mitherausgibt, beklagt seit Jahren die mangelnde Spezialisierung auf dem deutschen Klinikmarkt. Doch gerade ein hoher Spezialisierungsgrad ist laut RWI in wirtschaftlicher und qualitativer Hinsicht für die Kliniken vorteilhaft.

Zum aktuellen "Faktencheck Gesundheit" zum Thema Krankenhausstruktur der Bertelsmann-Stiftung