Bessere Versorgung mit Inkontinenzhilfen

Foto: Inkontinenzhilfen

(22.03.16) Der GKV-Spitzenverband hat die Qualitätsanforderungen für aufsaugende Inkontinenzhilfsmittel im Hilfsmittelverzeichnis angehoben. Die Änderungen beziehen sich insbesondere auf die Saugleistung. Darüber hinaus wurden Anforderungen an die Absorption von Gerüchen sowie die Atmungsaktivität festgeschrieben. Produkte, die die neuen Kriterien nicht erfüllen, werden aus dem Hilfsmittelverzeichnis gestrichen. Etwa 1,5 Millionen gesetzlich Versicherte werden von der gesetzlichen Krankenversicherung regelmäßig mit aufsaugenden Inkontinenzhilfsmitteln („Windeln“) versorgt. Die Produkte und Services der Produktgruppe 15 hatten aufgrund ihrer schlechten Qualität lange in der Kritik gestanden. Die Mängelliste begann mit nässenden Windeln und reichte über unzureichende Versorgungsmengen und die Anlieferung in nicht neutralen Verpackungen bis zu teilweise hohen Aufzahlungen.

Die Versorgung werde sich nun nachhaltig verbessern, versicherte Gernot Kiefer, Vorstand des GKV-Spitzenverbandes: "Von den rund 2.200 für diesen Bereich im Hilfsmittelverzeichnis gelisteten Produkten werden sicherlich über 600 Produkte spätestens nach Ablauf der Übergangsfrist von einem Jahr nicht mehr abgegeben werden dürfen." Um die Änderungen möglichst schnell umzusetzen, müssen Krankenkassen und die Hersteller jetzt die Versorgungsverträge anpassen. Kiefer erwartet, dass eine gute Versorgung mit aufsaugenden Inkontinenzhilfen künftig ohne Aufpreis möglich ist.

Erstmals Service-Standards für Anbieter definiert

Im Zuge der aktuellen Fortschreibung definierte der GKV-SV auch die Anforderungen an die mit der Versorgung verbundenen Dienstleistungen und erneuerte die Vorgaben zu Versorgungsmengen. Damit liegen erstmals einheitliche und verbindliche Vorgaben für die Beratung der Versicherten, eine bedarfsgerechte Produktauswahl und Lieferung der Produkte sowie zusätzliche Service- und Garantieleistungen vor. Zudem dürfen die Hilfsmittelanbieter keine pauschalisierten Bedarfsmengen mehr zugrunde legen, eine individualisierte Bedarfsermittlung wird künftig der Standard sein.

Mit dem Beschluss der Änderungen wurde die Produktgruppe 15 erstmals seit 1993 fortgeschrieben. Seither wurden Inkontinenzhilfen vorwiegend nach Größen beziehungsweise Saugleistung unterschieden. Staatssekretär Karl-Joseph Laumann, Bevollmächtigter für Patienten und Pflege im Bundesgesundheitsministerium, hatte im Oktober 2015 angekündigt, die Qualität der erstattungsfähigen Inkontinenzhosen testen zu lassen. Versicherte hatten sich bei dem Patientenvertreter verstärkt über die Qualität der Versorgung in diesem Bereich beschwert.