Zur Einschulung in Therapie: Aktueller Heilmittelbericht mit Fokus auf Behandlung von Kindern

Physiotherapie

(19.12.16) Fast jeder vierte Junge (23,7 Prozent) und jedes sechste Mädchen (16,2 Prozent) wird bis zur Einschulung sprachtherapeutisch behandelt. Das ermittelten die Autoren des aktuellen Heilmittelberichts des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (AOK). Damit hält sich die Zahl der Kinder, die beim Übergang vom Kindergarten in die Grundschule logopädisch behandelt werden, weiterhin auf hohem Niveau. Insgesamt befanden sich 2015 unter den AOK-Versicherten bis 14 Jahre fast 380.000 Kinder in einer Heilmitteltherapie, das entspricht einem Anteil von zwölf Prozent. Auch wenn man das gesamte Spektrum der Heilmittel betrachtet, liegen die Jungen in Führung: 14,1 Prozent von ihnen werden therapiert, bei den Mädchen sind es 9,8 Prozent.

Bei der Analyse der Kindertherapien werden drei Lebensphasen deutlich, in denen besonders viele Kinder behandelt werden: die ersten beiden Lebensjahre, in der physiotherapeutische Maßnahmen dominieren, die Zeit kurz vor der Einschulung mit dem Schwerpunkt auf sprachtherapeutischen Maßnahmen und die Zeit kurz nach der Einschulung, in der zur logopädischen Behandlung häufig noch die Ergotherapie hinzukommt.

Erstmals Diagnosen in den Verordnungsdaten

Für 2015 konnten die Autoren des Berichts erstmals auswerten, welche Diagnosen den Verordnungen zugrunde lagen. Für 201.300 Kinder bis 14 Jahre und damit für mehr als die Hälfte der Kinder mit Heilmitteltherapie waren Entwicklungsstörungen Anlass der Therapie (56 Prozent). Bei fast 40.000 Kindern und damit 9,2 Prozent der kindlichen Heilmittelpatienten ging es um Verhaltensstörungen. Bei den Erwachsenen dominieren Maßnahmen gegen Rückenschmerzen. Rund 1,86 Millionen AOK-Versicherte mit entsprechenden Diagnosen erhielten 2015 eine oder mehrere physiotherapeutische Behandlungen, das entspricht einem Anteil von 23 Prozent.

Insgesamt stellten Ärzte im Jahr 2015 mehr als 37 Millionen Rezepte für eine Heilmitteltherapie aus. Rein rechnerisch hat jeder der knapp 71 Millionen GKV-Versicherten rund 4,27 Behandlungen aus dem Heilmittelbereich erhalten. In den neuen Bundesländern sowie Berlin und Hamburg lag die tatsächliche Anzahl der Behandlungen durchweg über diesem Durchschnittswert; in Bremen, Hessen sowie Nordrhein-Westfalen blieb sie deutlich darunter.

Heilmittelbericht 2016
Veröffentlichung vom 15.12.2016