Rheumatoide Arthritis: IQWiG veröffentlicht erste Empfehlungen für ein neues Chroniker-Programm

(13.10.15) Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat die vorläufigen Ergebnisse der aktuellen Leitlinien-Recherche zur rheumatoiden Arthritis veröffentlicht. Der Bericht bewertet die Empfehlungen aus 16 Leitlinien – darunter eine aus Deutschland – im Hinblick auf die mögliche Etablierung eines neuen Disease-Management-Programms (DMP). Bis zum 6. November 2015 können interessierte Personen und Organisationen ihre Stellungnahme abgeben.

Wenig Anhaltspunkte für sektorenübergreifende Versorgung

Der Schwerpunkt der untersuchten Leitlinien liegt im Bereich der Arzneimitteltherapie. Dabei greift der Bericht unter anderem Empfehlungen zur Überprüfung der Therapieziele Remission und Minderung der Krankheitsaktivität auf. Darüber hinaus kommen Hinweise zu krankheitsmodifizierenden Medikamenten zur Sprache. Lediglich vier Leitlinien thematisieren weitere Versorgungsaspekte wie die Diagnostik, nicht-medikamentöse Therapien und sektorenübergreifende Versorgung. Unter nicht-medikamentösen Therapien werden Maßnahmen wie Bewegungstherapie, Ergotherapie, Ernährung und der Einsatz von Orthesen abgehandelt. Rehabilitation spielt in den untersuchten Leitlinien insgesamt eine untergeordnete Rolle, und die Empfehlungen sind teilweise für ein mögliches DMP nicht relevant.

Aufgrund des hohen Anteils von Leitlinien aus anderen Ländern bleibe außerdem zu prüfen, ob die Empfehlungen auf das deutsche Gesundheitssystem übertragbar sind, so das IQWiG. Allein sechs der untersuchten Leitlinien stammen aus Großbritannien. Die britischen Empfehlungen im Hinblick auf Pflegekräfte seien jedoch nicht auf den deutschen Versorgungskontext übertragbar, da Qualifikation und Aufgabenbereiche deutscher Pflegekräfte weit hinter denen der britischen Kollegen zurückblieben.

Mit dem Auftrag zur Leitlinien-Recherche bereitet der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) die geplante Entwicklung eines neuen, strukturierten und sektorenübergreifenden Behandlungsprogramms vor. Den Beschluss zur Prüfung der Voraussetzungen fasste der GBA im August 2014. Ob ein DMP für Patienten mit rheumatoider Arthritis tatsächlich etabliert wird, entscheidet der ebenfalls GBA. Das Gremium prüft derzeit auch die Einführung von Programmen zu chronischem Rückenschmerz, Herzinsuffizienz und Osteoporose.