DMP Diabetes mellitus Typ 2

 

Welches sind die Ziele eines DMP Diabetes mellitus Typ 2?

Disease-Management-Programme sollen bei chronischen Erkrankungen durch Kontinuität der Betreuung und durch Koordination der Behandlungsabläufe den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen.
Das DMP Diabetes mellitus Typ 2 soll speziell folgende Ziele erreichen:

  • Vermeidung von Symptomen der Erkrankung (z. B. Polyurie, Polydipsie, Abgeschlagenheit) einschließlich der Vermeidung neuropathischer Symptome, Vermeidung von Nebenwirkungen der Therapie sowie schwerer Stoffwechselentgleisungen,
  • Reduktion des erhöhten Risikos für kardiale, zerebrovaskuläre und sonstige makroangiopathische Morbidität und Mortalität einschließlich Amputationen,
  • Vermeidung der mikrovaskulären Folgekomplikationen mit schwerer Sehbehinderung oder Erblindung, Niereninsuffizienz mit der Notwendigkeit einer Nierenersatztherapie (Dialyse, Transplantation),
  • Vermeidung des diabetischen Fußsyndroms mit neuro-, angio- und/oder osteopathischen Läsionen.

Generell geht es um die Verbesserung bzw. Erhaltung der Lebenserwartung sowie der durch Diabetes mellitus beeinträchtigten Lebensqualität. Dabei werden in Abhängigkeit z. B. von Alter und Begleiterkrankungen des Patienten unterschiedliche, individuelle Therapieziele angestrebt.

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Wie können Ärzte am DMP Diabetes mellitus Typ 2 teilnehmen?

Sollten Sie sich für die Teilnahme am DMP interessieren, so können Sie eine Teilnahmeerklärung bei dem für Sie zuständigen Vertragspartner (in der Regel die KV) erhalten.

Sofern Sie die Voraussetzungen für die Teilnahme erfüllen, erhalten Sie eine Bestätigung von der KV, dass Sie an dem Programm teilnehmen und die im Vertrag vereinbarten Leistungen abrechnen können.

(Nähere Informationen zu Voraussetzungen etc. in der Anlage "Strukturqualität" des DMP-Vertrages und auf den Seiten Ihrer AOK)

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In welcher Funktion können Ärzte am DMP Diabetes mellitus Typ 2 teilnehmen?

Im Fall des DMP Diabetes mellitus Typ 2 können Ärzte entweder als "koordinierender Vertragsarzt" oder als "diabetologisch qualifizierter Arzt" teilnehmen.
(Nähere Informationen finden Sie unter Programme - Strukturqualität auf den Seiten Ihrer AOK.)

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Wer kann als koordinierender Arzt am DMP Diabetes mellitus Typ 2 teilnehmen?

Vertragsärzte, die an der hausärztlichen Versorgung teilnehmen oder in einer Schwerpunktpraxis aufgrund regionaler Strukturen eigene Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 versorgen, können als koordinierender Arzt am DMP teilnehmen.

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Wer ist für die Patientenschulungen im DMP zuständig und welche Schulungsprogramme werden im Rahmen des DMP verwendet?

 

Schulungs- und Behandlungsprogramme sind fester Bestandteil der DMPs. Der Arzt entscheidet zusammen mit dem Patienten, ob und welches Behandlungs- und Schulungsprogramm sinnvoll ist.
Es dürfen nur Schulungen verwendet werden, die vom Bundesversicherungsamt (BVA) zugelassen worden sind. Das BVA prüft unter anderem, ob die Schulungen strukturiert, evaluiert und publiziert sind.
Um die Schulungen anbieten zu können, ist eine besondere Qualifikation des Arztes und seiner Praxismitarbeiterinnen bzw. -mitarbeiter für das jeweilige Schulungsprogramm erforderlich. Fortbildungsmaßnahmen bietet in der Regel die zuständige KV an. Die Kriterien der Qualifikation und die Modalitäten der Abrechnung für Patientenschulungen sind im DMP-Vertrag zwischen AOK und KV oder möglichen anderen Vertragspartnern geregelt.
Im Rahmen des DMP können folgende Schulungsprogramme zur Anwendung kommen:

 

Für Typ 2-Diabetiker:

  • Behandlungs- und Schulungsprogramm für Typ 2-Diabetiker, die nicht Insulin spritzen
  • Behandlungs- und Schulungsprogramm für Typ 2-Diabetiker, die Insulin spritzen
  • Behandlungs- und Schulungsprogramm für Typ 2-Diabetiker, die Normalinsulin spritzen
  • Diabetes & Verhalten, Schulungsprogramm für Menschen mit Typ 2-Diabetes, die Insulin spritzen
  • Diabetes II im Gespräch
  • LINDA-Diabetes-Selbstmanagementschulung
  • MEDIAS 2 - "Mehr Diabetes Selbstmanagement" für Typ 2-Diabetiker
  • MEDIAS 2 ICT – "Mehr Diabetes Selbstmanagement" für Typ 2-Diabetiker, die mit einer intensivierten Insulintherapie behandelt werden
  • bei Bedarf: Behandlungs- und Schulungsprogramm für intensivierte Insulintherapie bzw. Diabetes Teaching and Treatment Program (DTTP)
  • SGS (Strukturiertes Geriatrisches Schulungsprogramm)
  • Blutglukosewahrnehmstraining (BGAT) III – deusche Version (nur für erwachsene Patienten ab 18 Jahren geeignet, die mit intensivierter Insulintherapie behandelt werden und nicht an folgenden Erkrankungen leiden: Körperliche Erkrankungen wie Herz- oder Gefäßerkrankungen, ohne sich in ärztlicher Kontrolle zu befinden, Depressionen und Erkrankungen, die mit Essstörungen oder Substanzabusus einhergehen)

Für Typ 2-Diabetiker mit arterieller Hypertonie:

  • Hypertonie-Behandlungs- und Schulungsprogramm (HBSP)
  • Behandlungs- und Schulungsprogramm für Patienten mit Hypertonie (Deutscher Ärzte Verlag)
  • Modulare Blutdruck-Schulungen IPM (Institut für Präventive Medizin)


Nur als Zusatz zu einem Schulungsprogramm für Typ 2-Diabetiker:

  • DiSko-Schulung (DiSko: wie Diabetiker zum Sport kommen)
  • HyPOS – Hypoglykämie-Wahrnehmungsschulung (nur für erwachsene Patienten ab 18 Jahre geeignet, die an Diabetes mellitus Typ 2 erkrankt und insulinpflichtige Diabetiker sind und nicht an folgenden Erkrankungen leiden: Krebserkrankungen, Demenz-Erkrankungen oder psychiatrische Erkrankungen. Ferner nicht geeignet bei bestehenden Schwangerschaften)

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Welche Patienten kommen für das DMP Diabetes mellitus Typ 2 in Frage?

Am DMP Diabetes mellitus Typ 2 können Versicherte teilnehmen, die folgende Einschreibekriterien erfüllen:

  • gesicherte Diagnose des Diabetes mellitus Typ 2 oder eine bereits begonnene Therapie mit diabetesspezifischen, blutzuckersenkenden Medikamenten;
  • grundsätzliche Bereitschaft und Fähigkeit des Patienten zur aktiven Mitwirkung und Teilnahme an Schulungen;
  • die Erwartung einer Verbesserung der Lebensqualität und Lebenserwartung durch intensivierte Betreuung.

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Können auch Typ 2-Diabetiker ohne medikamentöse Therapie am DMP teilnehmen?

Ja, ins DMP können diejenigen Patienten eingeschrieben werden, die die genannten Teilnahmevoraussetzungen (siehe oben) erfüllen. Für die Einschreibung können erhöhte Blutzuckerwerte dokumentiert werden, die in der Vergangenheit liegen.

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Können Patientinnen mit einem Gestationsdiabetes am DMP Diabetes mellitus Typ 2 teilnehmen?

Patientinnen mit Schwangerschaftsdiabetes werden grundsätzlich nicht in das strukturierte Behandlungsprogramm aufgenommen, da es sich beim Gestationsdiabetes nicht um eine chronische Erkrankung handelt.

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Welche Medikamente werden für Typ 2-Diabetiker im DMP empfohlen?

Grundsätzlich können in der Diabetestherapie alle zugelassenen Medikamente verordnet werden.
Vorrangig werden jedoch Medikamente empfohlen, bei denen der Nutzen und die Sicherheit der Wirkstoffe in prospektiven randomisierten Langzeit-Studien belegt wurde.

Blutzuckersenkende Therapie:

  • Humaninsulin,
  • Glibenclamid,
  • Metformin.

Antihypertensive Therapie:

  • Diuretika: bei normaler Nierenfunktion:Hydrochlorothiazid bzw. Chlortalidon, ggf. in Kombination mit kaliumsparenden Diuretika (Amilorid, Triamterm), bei eingeshcränkter Nierenfunktion: Schleifendiuretika (Furosemid)
  • ß1-Rezeptor-selektive Betablocker (Metoprolol, Atenolol, Bisoprolol)
  • ACE-Hemmer (Captopril, Enalapril, Ramipril)

Lipidmodifizierende Therapie:

  • Statine: z. B. Pravastatin, Simvastatin

Der Einsatz anderer Wirkstoffe und Wirkstoffgruppen ist unter Berücksichtigung der Patientenpräferenzen, Risiken und Kontraindikationen möglich. Der Patient muss darüber informiert werden, ob für diese Wirkstoffe oder Wirkstoffgruppen Wirksamkeitsbelege zur Risikoreduktion klinischer Endpunkte vorliegen. Genaue Information finden Sie im Praxismanual.

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Wo gibt es Hilfestellung für das Ausfüllen der Dokumentation?

Die Praxismanuale der Programme enthalten detaillierte Ausfüllanleitungen für die Erst- und Folgedokumentation. Diese Anleitungen sind auf den regionalen DMP-Seiten der AOK als Download zu finden. In einigen Ländern bietet die AOK darüber hinaus weitere Arbeitshilfen an.

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Wo erfahre ich, welche Ärzte, andere Spezialisten und Einrichtungen an einem DMP teilnehmen?

Eine Liste aller am DMP teilnehmenden Ärzte, Spezialisten und Einrichtungen Leistungserbringerverzeichnis) ist als Anlage zum jeweiligen DMP-Vertrag vereinbart. Die Informationen sind bei Ihrer AOK verfügbar.

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Wie ist die Teilnahme von Krankenhäusern am DMP geregelt?

Die DMP sehen die Einbindung von Krankenhäusern im Rahmen der Kooperation der Versorgungsebenen vor. Die Anforderungen an die Strukturqualität teilnehmender stationärer Einrichtungen sind in der Anlage "Strukturqualität Krankenhaus" des jeweiligen DMP-Vertrages geregelt.

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Wann müssen Patienten zur stationären Behandlung eingewiesen werden?

Im DMP Diabetes mellitus Typ 2 sind folgende Indikationen für eine Einweisung in ein geeignetes Krankenhaus definiert (außer bei Notfallindikationen):

  • bedrohliche Stoffwechselentgleisungen
  • schwere spezielle Stoffwechselentgleisungen (z.B. häufige nächtliche Hypoglykämien, Hypoglykämiewahrnehmungsstörungen)
  • infizierter diabetischer Fuß neuropathischer oder angiopathischer Genese oder akute neuroosteopathische Fußkomplikation

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Wann müssen Patienten an einen Diabetologen überwiesen werden?

Bei Vorliegen folgender Indikationen muss eine Überweisung des Patienten in eine diabetologische Schwerpunktpraxis bzw. diabetologisch spezialisierte Einrichtung erfolgen:

  • jährliche augenärztliche Kontrolluntersuchung (insb. Funduskopie) oder jährliche Netzhautuntersuchung mittels Netzhautphotographie,
  • bei einer Einschränkung der Nierenfunktion mit einer GFR auf weniger als 40 ml/min oder bei deutlicher Progression einer Nierenfunktionsstörung (jährliche Abnahme der GFR um mehr als 5 ml/min) zum nephrologisch qualifizierten Arzt bzw. Einrichtung,
  • Nicht-Erreichen des individuell vereinbarten Ziel-Blutdruckwertes innerhalb von höchstens sechs Monaten an einen in der Hypertoniebehandlung qualifizierten Arzt,
  • Nicht-Erreichen des individuellen HbA1c-Zielwertes (nach spätestens sechs Monaten),
  • Geplante oder bestehende Schwangerschaft.
  • Vorliegen eines diabetischen Fußsyndroms (Wagner-Stadium 2-5 und/oder Armstrong-Klasse C oder D) an eine auf die Behandlung des diabetischen Fußes spezialisierte Einrichtung.

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