DMP Diabetes mellitus Typ 1


Welches sind die Ziele des DMP Diabetes mellitus Typ 1?

Disease-Management-Programme wollen bei chronischen Erkrankungen durch Kontinuität der Betreuung und durch Koordination der Behandlungsabläufe und die aktive Miteinbeziehung der Patienten, die durch Schulungsprogramme zur informierten Mitentscheidung und Mitarbeit befähigt werden, den Verlauf der Erkrankung beeinflussen. Das DMP Diabetes mellitus Typ 1 möchte speziell folgende Ziele erreichen:

  • Vermeidung von Symptomen der Erkrankung wie Polyurie, Polydipsie, Abgeschlagenheit
  • Vermeidung neuropathischer Symptome bzw. Linderung der Symptome
  • Vermeidung von Stoffwechselentgleisungen (Ketoazidosen) und von Therapie-Nebenwirkungen (Hypoglykämien).
  • Reduktion des erhöhten Risikos für makrovaskulärer Erkrankungen einschließlich Herzinfarkt und Schlaganfall
  • Vermeidung mikrovaskulärer Folgeschäden (u.a. Retinopathie, Niereninsuffizienz)
  • Vermeidung des diabetischen Fuß-Syndroms mit neuro-, angio- und osteopathischen Läsionen und von Amputationen

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Welche Ziele hat das DMP Diabetes mellitus Typ 1 bei Kindern und Jugendlichen?

Neben den allgemeinen Anliegen der strukturierten Behandlungsprogramme stellt das DMP Diabetes mellitus Typ 1 auch auf die speziellen Versorgungsbelange von Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahren ab. Für diese Gruppe stehen folgende Ziele im Vordergrund:

  • Vermeidung akuter Stoffwechselentgleisungen
  • Reduktion der Häufigkeit diabetesbedingter Folgeerkrankungen (auch subklinisch!)
  • Altersentsprechende körperliche Entwicklung, geistige und körperliche Leistungsfähigkeit
  • Möglichst unbeeinträchtigte psychosoziale Entwicklung und soziale Integration, Einbeziehung der Familie in den Behandlungsprozess, Selbständigkeit und Eigenverantwortung

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Wie können Ärzte am DMP Diabetes mellitus Typ 1 teilnehmen?

Wenn Sie sich für die Teilnahme am DMP interessieren, können Sie eine Teilnahmeerklärung bei dem für Sie zuständigen Vertragspartner (in der Regel die KV) erhalten. Sofern Sie die Voraussetzungen für die Teilnahme erfüllen, erhalten Sie eine Bestätigung von der KV, dass Sie an dem Programm teilnehmen und die im Vertrag vereinbarten Leistungen abrechnen können. (Nähere Informationen in der Anlage "Strukturqualität" des DMP-Vertrages)

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Wer ist im DMP Diabetes mellitus Typ 1 für die Rolle des koordinierenden Arztes vorgesehen?

Koordinierender Arzt im DMP Diabetes mellitus Typ 1 ist ein diabetologisch besonders qualifizierter Arzt/ Einrichtung, der/die zur vertragsärztlichen Versorgung zugelassen bzw. ermächtigt ist. In Einzelfällen können Hausärzte in enger Kooperation mit diabetologisch besonders qualifizierten Ärzten oder Einrichtungen diese Funktion übernehmen. Für Kinder und Jugendliche unter einem Alter von 16 liegt die Koordinierung grundsätzlich, unter 21 Jahren fakultativ bei einem diabetologisch qualifizierten Pädiater oder einer pädiatrischen Einrichtung (in Einzelfällen bei einem/r nichtpädiatrischen diabetologisch besonders qualifizierte/n Arzt/Einrichtung).

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Wer ist für die Patientenschulungen im DMP zuständig und welche Schulungen sind zugelassen?

Schulungs- und Behandlungsprogramme sind fester Bestandteil der DMP. Der Arzt entscheidet zusammen mit dem Patienten, ob und welches Behandlungs- und Schulungsprogramm sinnvoll ist.
Es dürfen nur Schulungen verwendet werden, die vom Bundesversicherungsamt (BVA) zugelassen worden sind. Das BVA prüft unter anderem, ob die Schulungen strukturiert, evaluiert und publiziert sind.
Um die Schulungen anbieten zu können, ist eine besondere Qualifikation des Arztes und seiner Praxismitarbeiterinnen bzw. -mitarbeiter für das jeweilige Schulungsprogramm erforderlich. Fortbildungsmaßnahmen bietet in der Regel die zuständige KV an. Die Kriterien der Qualifikation und die Modalitäten der Abrechnung für Patientenschulungen sind im DMP-Vertrag zwischen AOK und KV oder möglichen anderen Vertragspartnern geregelt.

Für Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 können folgende Schulungsprogramme im Behandlungsprogramm zur Anwendung kommen:

Kinder und Jugendliche

  • Diabetes-Buch für Kinder; Roche Diagnostics GmbH (Hrsg.), Verlag Kirchheim Mainz
  • Jugendliche mit Diabetes: ein Schulungsprogramm; Roche Diagnostics GmbH (Hrsg.), Verlag Kirchheim Mainz

Hypertonie

  • Behandlungs- und Schulungsprogramm für Patienten mit Hypertonie (Deutscher Ärzte Verlag)
  • Strukturiertes Hypertonie Behandlungs- und Schulungsprogramm (HBSP)
  • Modulare Blutdruck-Schulungen IPM (Institut für Präventive Medizin)

Intensivierte Insulintherapie

  • Behandlungs- und Schulungsprogramm für intensivierte Insulintherapie bzw. Diabetes Teaching and Treatment Program (DTTP)

Hypoglykämien

  • Blutglukosewahrnehmungstraining /BGAT III, deutsche Version
  • HyPOS - Hypoglykämie-Wahrnehmungsschulung (als Ergänzung einer Basisschulung)

Selbstmanagement

  • LINDA-Diabetes-Selbstmanagementschulung

Nähere Informationen über die in Ihrer Region vereinbarten Schulungsprogramme finden Sie im Navigationspunkt "Programme“.

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Welche Patienten kommen für das DMP Diabetes mellitus Typ1 in Frage?

Die Diagnose eines Diabetes mellitus Typ 1 gilt als gestellt, wenn folgende Kriterien erfüllt sind, oder sich aus der Vorgeschichte des Patienten bei der Manifestation der Erkrankung ergeben:

  • Nachweis typischer Symptome und/oder einer Ketose/Ketoazidose und
  • Pathologische Werte von Nüchtern-Glukose oder Nicht-Nüchtern-Glukose im Plasma
  • Ggf. laborchemische Hinweise für absoluten Insulinmangel

Die Unterscheidung zwischen Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 erfolgt anhand der Anamnese, des klinischen Bildes und der Laborparameter. Für die Einschreibung ist die Behandlung mit Insulin Voraussetzung.

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Welche Medikamente werden für Typ 1-Diabetiker im DMP empfohlen?

Im DMP Diabetes mellitus Typ 1 werden vorrangig Medikamente empfohlen, bei denen der Nutzen und die Sicherheit der Wirkstoffe in prospektiven randomisierten Langzeit-Studien belegt wurden. Der Einsatz anderer Wirkstoffe und Wirkstoffgruppen ist unter Berücksichtigung von Patientenpräferenzen, Risiken und Kontraindikationen möglich. Allerdings muss der Patient darüber informiert werden, ob für diese Wirkstoffe oder Wirkstoffgruppen Wirksamkeitsbelege zur Risikoreduktion klinischer Endpunkte vorliegen. Genaue Informationen finden Sie im Praxismanual.

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Wo gibt es Hilfestellung für das Ausfüllen der Dokumentation?

Die Praxismanuale der Programme enthalten detaillierte Ausfüllanleitungen für die Erst- und Folgedokumentation.

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Wo erfahre ich, welche Ärzte, andere Spezialisten und Einrichtungen an einem DMP teilnehmen?

Eine Liste aller am DMP teilnehmenden Ärzte, Spezialisten und Einrichtungen (Leistungserbringerverzeichnis) ist als Anlage zum jeweiligen DMP-Vertrag beigefügt. Die Informationen sind ebenfalls bei Ihrer KV und bei Ihrer AOK verfügbar.

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Wie ist die Teilnahme von Krankenhäusern am DMP geregelt?

Die DMP sehen die Einbindung von Krankenhäusern im Rahmen der Kooperation der Versorgungsebenen vor. Die Anforderungen an die Strukturqualität teilnehmender stationärer Einrichtungen sind in der Anlage "Strukturqualität Krankenhaus" des jeweiligen DMP-Vertrages geregelt.

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