Krankenfahrten: So klappt es mit der Verordnung

Für Hausärzte ist das Problem akut, besonders in ländlicheren Regionen: Die Verordnung von Krankenfahrten gehört hier zum Tagesgeschäft. Doch welche Fahrten dürfen tatsächlich auf Kassenkosten verordnet werden? Und welche Vorgaben müssen bei der Verordnung eingehalten werden, damit die Patienten nicht doch auf den Transportkosten sitzen bleiben?

Bei Fahrten zur stationären Behandlung ist die Sachlage einfach: Hier übernehmen die Kassen die Kosten. Anders liegt der Fall bei ambulanten Behandlungen: Hier werden die Kosten nämlich nur in bestimmten Ausnahmefällen übernommen. Und für diese Ausnahmen ist – abgesehen von Notfällen – grundsätzlich eine besondere Genehmigung der Krankenkasse notwendig. Mehr noch: Jede Fahrt im ambulanten Bereich muss "zwingend medizinisch notwendig" sein, damit sie verordnet werden kann. So ist die Verordnung eines Taxis etwa nur zulässig, wenn dem Patienten aus zwingenden medizinischen Gründen nicht zugemutet werden kann, öffentliche Verkehrsmittel oder den privaten Pkw zu nutzen.

Es kommt auf die Therapiefrequenz an

Doch in welchen besonderen Ausnahmefällen kann eine Fahrt zur ambulanten Behandlung verordnet werden? Ein solcher Fall liegt vor, wenn der Patient nach einem Therapieschema behandelt wird, das durch seine Grunderkrankung vorgegeben ist. Diese Therapie muss eine hohe Behandlungsfrequenz über einen längeren Zeitraum erfordern. Und die Behandlung oder die zugrunde liegende Erkrankung muss den Patienten so stark beeinträchtigen, dass eine Beförderung unerlässlich ist, um Schaden an Leib und Leben zu vermeiden.

Das hört sich komplizierter an, als es ist. Diese Voraussetzungen gelten nämlich etwa bei Fahrten zur ambulanten Dialyse, zur onkologischen Strahlentherapie oder zur onkologischen Chemotherapie in der Regel als erfüllt. Bei anderen Behandlungsanlässen ist die Übernahme der Fahrkosten davon abhängig, ob Schweregrad und Behandlungsfrequenz der Erkrankung vergleichbar sind. Ist etwa mehrmals wöchentlich über einen längeren Zeitraum eine Behandlung notwendig oder es braucht einmal wöchentlich eine Therapiesitzung bei einem dauerhaften Behandlungsbedarf, übernimmt die Kasse ebenfalls die Krankenfahrt.

Krankenfahrten können außerdem bei Patienten verordnet werden, die in ihrer Mobilität sehr schwer eingeschränkt sind. Das gilt für Schwerbehinderte, auf deren Ausweis das Merkzeichen "aG" (außergewöhnlich gehbehindert), "Bl" (blind) oder "H" (hilflos) steht. Auch Patienten, die in die Pflegestufe 2 oder 3 eingestuft sind, fallen unter diese Regelung.

Die Zuzahlung entfällt nicht

Aber: Auch bei einer Fahrt, die von der Kasse genehmigt worden ist, muss der Patient für die Hin- und die Rückfahrt eine Zuzahlung leisten. Sie liegt bei 10 Prozent der Kosten und beträgt mindestens 5, höchstens aber 10 Euro. Außerdem darf die Zuzahlung die Kosten der Fahrt nicht übersteigen.

Verordnung von Krankenfahrten im Überblick - Schaubild PRO DIALOG 23.11.12 Schaubild - m

Verordnet werden Krankenfahrten über das Muster 4. Dabei ist es besonders wichtig, das richtige Beförderungsmittel zu wählen. Verordnet werden können ein Taxi oder Mietwagen, ein Krankentransportwagen (KTW) und im Notfall ein Rettungstransportwagen (RTW) beziehungsweise ein Notarztwagen (NAW). Die Grafik oben fasst die wichtigsten Voraussetzungen für die Verordnung der verschiedenen Varianten zusammen. Sie basiert auf den Krankentransport-Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA).

Verordnung von Krankenfahrten im Überblick
Die Grafik als PDF-Download

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