Neue Versorgungsformen in der Psychotherapie

(23.06.16) Die ambulante Psychotherapie ist um neue Versorgungselemente erweitert worden. Niedergelassene Therapeuten können künftig Sprechstunden, Akutbehandlungen und Rückfallprophylaxe anbieten. Diesen Beschluss fasste der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) im Rahmen einer Strukturreform der Psychotherapie-Richtlinie. Ihr Kernelement ist die psychotherapeutische Sprechstunde als schneller, niedrigschwellige Zugang zur Versorgung - mit dem Ziel, für den Patienten das geeignete Versorgungsangebot zu finden. Im Krankheitsfall können Versicherte bis zu sechs Stunden á 25 Minuten in Anspruch nehmen; Kindern und Jugendlichen stehen zehnmal 25 Minuten zu. Die Entscheidung über das Angebot von zwei Stunden pro Woche als Sprechstunden treffen die Therapeuten selbst. 

Schnellerer Zugang, mehr Flexibilität in der Versorgung

Um bei Patienten in Krisensituationen eine Verfestigung oder Verschlechterung des Krankheitsbildes zu verhindern, können Therapeuten außerdem sogenannte Akutbehandlungen anbieten. Diese Form der psychotherapeutischen Intervention umfasst bis zu 24 Sitzungen á 25 Minuten, die nicht von der Krankenkasse genehmigt werden müssen, und soll innerhalb von zwei Wochen begonnen werden. Sie ist vorgesehen für Menschen mit akuter Traumatisierung, etwa infolge von Unfällen oder infolge zurückliegender psychosozialer Belastungen.

Darüber hinaus hat der GBA bereits etablierte Therapieformen modifiziert. Im Rahmen einer Langzeittherapie steht künftig ein Kontingent der bewilligten Stunden für die Rückfallprophylaxe zur Verfügung. Diese kann sich über einen Zeitraum von zwei Jahren erstrecken. Die bisher 25 Stunden umfassende Kurzzeittherapie wird künftig in zwei Blöcke á 12 Stunden geteilt - jeder Block ist antrags-, aber nicht gutachterpflichtig. Weitere Änderungen der Richtlinie betreffen die probatorischen Sitzungen, die Gruppentherapie und die Dokumentation. Die Regelungen sollen ab 1. April 2017 zur Anwendung kommen.

Richtlinie auf dem Prüfstand

Die Flexibilisierung des Therapieangebots ist eine Forderung des GKV-Versorgungsstärkungsgesetzes. Mit dem Beschluss vom 11. Juni 2015 wurde der GBA beauftragt, bis zum 30. Juni 2016 entsprechende Regelungen zu treffen. Da das Gremium hierbei nach eigenen Angaben "Neuland betrete", soll die Richtlinie innerhalb von fünf Jahren evaluiert werden.