Leitlinien verfehlen ihr Ziel: Internisten kritisieren Fehlversorgung

Foto: Bildgebendes Verfahren

(15.03.16) Oft bekommen Patienten medizinische Untersuchungen und Behandlungen verschrieben, die ihnen nicht nützen oder sogar schaden. Andere, hilfreiche Methoden kommen dagegen zu selten zum Einsatz. Darauf weist die Deutsche Gesesellschaft für Innere Medizin (DGIM) hin. Insbesondere bildgebende Verfahren und umfassende Blutuntersuchungen zählten zu den häufig erbrachten, aber selten notwendigen Leistungen in internistischen Praxen, berichtet die DGIM auf Basis einer Umfrage unter rund 4.200 Ärzten. Die Fachgesellschaft hatte die Ärzte zu Über- und Unterversorgung in der Medizin befragt. 70 Prozent der Befragten sehen sich demnach mehrmals pro Woche mit Überversorgung konfrontiert. Rund die Hälfte der Befragten berichten, dass sie weniger als einmal wöchentlich auf nicht erbrachte, notwendige Leistungen stießen; 22 Prozent erleben dies mehrmals pro Woche. Zur Begründung führten die meisten an, dass die einschlägigen Leitlinien oft unverständlich, unübersichtlich und zu lang seien. Hinzu kommt die Sorge vor Behandlungsfehlern: 80 Prozent nannten diese als Grund für Überversorgung.

Alltagstaugliche Formate für Leitlinien-Wissen gefragt

Die DGIM kündigte an, sich für neue Formen von Leitlinien einzusetzen. Medizinische Leitlinien seien derzeit nicht selten 150 Seiten lang und damit zur Nutzung im Praxisalltag nicht geeignet. Ulrich Fölsch, Generalsekretär der DGIM wies in diesem Kontext auf Smartphone und Tablet-Applikationen hin, die über Entscheidungsbäume durch zahlreiche Leitlinien hindurchführen und Ärzten evidenzbasiertes Wissen binnen kurzer Zeit zur Verfügung stellen.