Mehr Therapiesicherheit bei älteren Patienten

Anteil Priscus-Patienten bei Männern/Frauen Anteil Priscus-Patienten bei Männern/Frauen m

Ältere Frauen erhalten besonders häufig ungeeignete Arzneimittel.

Ältere Menschen bekommen besonders viele Medikamente verschrieben. Laut Versorgungs-Report erhalten 42 Prozent der Patienten über 65 Jahre fünf oder mehr verschiedene rezeptpflichtige Arzneimittel pro Quartal. Weil aber die Funktionsfähigkeit von Leber und Niere im Alter abnimmt, werden die chemischen Stoffe langsamer abgebaut. Als Folge davon reagieren Senioren empfindlicher und sind anfälliger für unerwünschte Arzneimittelwirkungen.

Um Ärzte dabei zu unterstützen, die Therapiesicherheit für ihre älteren und multimorbiden Patienten zu erhöhen, hat eine von Professor Petra Thürmann (Universität Witten-Herdecke) geleitete Forschergruppe aus 27 Experten verschiedener Fachrichtungen unter strikten methodischen Vorgaben Arzneimittel identifiziert, die für Menschen ab 65 Jahren als potenziell ungeeignet einzustufen sind. Das Ergebnis ist eine Liste von 83 Wirkstoffen, die bei Senioren nicht oder nur mit besonderer Vorsicht angewendet werden sollten. Die im Spätsommer 2010 veröffentlichte Aufstellung erhielt die Bezeichnung Priscus-Liste und wurde in der Fachöffentlichkeit mit großer Aufmerksamkeit aufgenommen.

Die AOK stellt die Priscus-Liste für Ärzte kompakt auf zwei DIN-A4-Seiten aufbereitet kostenfrei zum Herunterladen bereit.

Priscus-Liste für den Schreibtisch: Die 83 Wirkstoffe im Überblick!

Priscus-Liste bietet Ärzten verlässliche Entscheidungshilfe

Für die Priscus-Liste haben die Forscher nach internationalen Literaturrecherchen und Sondierung des deutschen Marktes Arzneistoffe ausgewählt, die erstens relativ häufig verordnet werden und zweitens ein mögliches Risikopotential für ältere Menschen bergen. Das sind beispielsweise Medikamente, die das Sturzrisiko erhöhen oder die Wahrnehmung beeinträchtigen können. Die Wissenschaftler haben sich aber nicht nur auf eine einfache Aufzählung von Wirkstoffnamen beschränkt. Sie hatten auch die Anwendbarkeit in der ärztlichen Praxis im Blick. So enthält die Liste Hinweise auf Begleiterkrankungen, die die Gefahr beim Einsatz eines Wirkstoffs besonders erhöhen. Zu jeder der aufgeführten Substanzen werden darüber hinaus Therapiealternativen genannt, wobei auch nichtmedikamentöse Optionen berücksichtigt werden. Schließlich benennt sie konkrete Maßnahmen, die es dem Arzt ermöglichen, das Risiko zu begrenzen, wenn sich die Anwendung eines Arzneimittels im konkreten Einzelfall doch einmal nicht vermeiden lassen sollte. Hierzu gehören beispielsweise regelmäßige Kontrollen der Leber- oder der Nierenfunktion oder Beschränkungen der Dosierung oder der Therapiedauer.

Im Interview mit der Ärzte Zeitung erklärt Prof. Thürmann, wie sich die Priscus-Liste in der Praxis anwenden lässt und wo die Grenzen von Priscus liegen.

Die komplette Priscus-Liste und weitere Informationen zum Projekt sind unter www.priscus.net zu finden.

Darüber hinaus informiert eine aktuelle Pressemitteilung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zum Thema Arzneimitteltherapie im Alter.

Arzneimitteltherapie im Alter: Ältere Frauen erhalten besonders häufig ungeeignete Arzneimittel
Pressemittelung des WIdO mit anschaulichen Grafiken zum Herunterladen